Gregg Allman – Wie neu geboren

Allman_Gregg_2011_1_rgb_bearbEr hat sich gut erholt von seiner Lebertransplantation – und bringt mit LOW COUNTRY BLUES zudem ein neues Soloalbum auf den Markt, das leichtfüßig die Brücke zwischen sei­nen Wurzeln und der Moderne schlägt.

Vergangenen Juni ging ein Schock durch die amerikanische Blues- und Rootsrock-Szene: Wenige Tage bevor die Allman Brothers Band ein mit großer Spannung erwartetes Gastspiel bei Eric Claptons „Crossroads“-Festival in Chicago geben sollte, machte die Nachricht die Runde, dass sich ihr Gründer, Sänger und Keyboarder Gregg Allman in einer Notoperation einer Lebertransplantation unterziehen musste. Umso größer die allgemeine Erleichterung, dass sich der 63-Jährige nun mit dem stärksten Soloalbum in seiner mehr als 40 Jahre langen Musikerlaufbahn zurückmeldet. Man könnte LOW COUNTRY BLUES für das Produkt seiner Genesung halten. Aber damit läge man falsch: „Das Album hatten wir schon im Kasten, bevor ich ins Krankenhaus kam. Aber dieses verdammt gute Gefühl, eine großartige Scheibe gemacht zu habe, hat definitiv eine starke Rolle bei meiner Heilung gespielt!“, sagt Allman beim Telefonat mit CLASSIC ROCK aus seiner Prachtvilla bei Richmond Hill, Georgia.

Dass das Album, eine Kombination alter Blues- und Soulstücke mit einer starken neuen Allman-Komposition (›Just Another Rider‹) bereits im Vorfeld seines Erscheinens als Anwärter für einen Grammy in der Kategorie „Best Blues Album“ 2012 gehandelt wird, liegt auch an seinem illustren Produzenten: T-Bone Burnett, jenem Studiozauberer aus St. Louis, der zuletzt als Producer gefeierter Alben für Robert Plant & Alison Krauss (RAISING SAND) und Elton John & Leon Russell (THE UNION) Schlagzeilen machte. „Als Tom Dowd, mit dem wir praktisch alle unsere guten Allman Brothers-Alben gemacht hatten, 2002 starb, dachte ich ‚Mist, jetzt sind wir am Arsch!‘ – bis ich dann auf T-Bone stieß. Er ist fantastisch, der zweitbeste denkbare Mann nach Dowd“, schwärmt Gregg Allman. „T-Bone hatte in Memphis eine Festplatte mit ein paar tausend Bluesnummern drauf, manche waren sehr obskur. Aus denen haben wir eine Vorauswahl von 50 getroffen – und ich beschäftigte mich dann zu Hause knapp zwei Monate lang jeden Tag intensiv mit einem anderen Song. Danach war mir klar, welche wir aufnehmen sollten.“ Burnett hatte eine Anregung in petto, die den Sound des Albums nachhaltig prägt: „Es war T-Bones Idee, dass wir keinen E-Bass, sondern einen akustischen Standbass einsetzen sollten. Genial! Denn dieser organische, holzige Klang des Basses stellt etwas Unerklärliches mit der Stimme an – ich habe mich beim Singen noch sie so inspiriert gefühlt!“

In der Tat, anders als Greggs Solo-Alben der 70- bis 90er-Jahre, die stilistisch und vom Soundbild nie sehr weit von Allman-Brothers-Band-Pfaden abwichen, kommt LOW COUNTRY BLUES in einem Neo-R&B-, Rockabilly- und Bluesgewand, das einerseits auf die Fünfziger verweist, und gleichzeitig wieder sehr modern klingt. Als Gäste mit dabei: der famose texanische Gitarrist Doyle Bramhall II und an den Keyboards Dr. John (O-Ton Allman: „Mein lieber alter Freund Mac Rebenack“).

Gregg Allman brennt darauf, das neue Material auf die Bühne zu bringen. Zunächst stehen Konzerttermine in den USA an, voraussichtlich im Juli kommt er dann auch nach Deutschland: „Eigentlich sollte ich das noch nicht wieder machen. Die Ärzte haben mir zwar schon das Okay gegeben, auf Tour zu gehen, aber gleichzeitig haben sie mich auch für verrückt erklärt! Aber ich weiß genau: Wenn mich etwas wirklich wieder in Form bringt, dann das!“

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