Review: Grateful Dead – BEST OF GRATEFUL DEAD

best of grateful deadHymne an die Sonne: Zeitreise durch 13 Studioalben.

Vor 20 Jahren traten Grateful Dead zum letzten Mal auf. 1995 war auch das Jahr, als Bandchef Jerry Garcia im Alter von 53 Jahren nach jahrzehntelangem Genuss von legalen wie illegalen Substanzen sowie einer Überdosis Hedonismus an einem Herzinfarkt in einer Entzugsklinik verstarb. Zum 50. Bandjubiläum kündigte die seit 20 Jahre inaktive amerikanische Gegenkulturoffensive des Sixties-Hippie-Movements für Sommer 2015 drei finale Shows der vier überlebenden Bandmitglieder (Phil Lesh, Bob Weir, Bill Kreutzman, Mickey Hart) plus zusätzlicher Musiker an. Die zum 50. erscheinende, etwas einfältig betitelte 2-CD-Kompilation BEST OF GRATEFUL DEAD wirkt recht bescheiden. Immerhin enthält sie 32 Songs, mit denen der Versuch gewagt wird, chronologisch den Werdegang des 1965 im kalifornischen Palo Alto aus den Überbleibseln der Mother McCree’s Uptown Jug Champions hervorgegangenen und kurzzeitig Warlocks benannten Kollektivs nach zu zeichnen, das damals vor allem deshalb für Furore sorgte, weil es zur Hausband rund um Kultautor Ken Keseys legendäre Acid Tests avancierte. Wenig bis gar nichts der späteren Entspanntheit vermitteln vom selbstbetitelten Debüt die auf Up-Tempo getrimmte Mersey-Beat-Reminiszenz ›The Golden Road (To Unlimited Devotion)‹ und das ebenso flott zwischen Bluegrass, Country, Blues und Rock oszillierende ›Cream Puff War‹. ›Born Cross-Eyed‹ empfiehlt sich mit wenig mehr als zwei Minuten Spielzeit als einziger kompakter Song des stark von LSD-geprägten Zweitlings ANTHEM OF THE SUN. In rarer Single-Version findet sich ›Dark Star‹. Von mehr oder minder psychedelischen Klangexperimenten zeigen sich auch noch ›St. Stephen‹ und ›China Cat Sunflower‹ von AOXOMOXOA inspiriert. Die stilistische Kehrtwendung mit Betonung auf erdig-relaxten, von Folk und Country massiv infizierten Rock offeriert ab 1970 WORKINGMAN’S DEAD mit den Auszügen ›Uncle John’s Band‹, ›Easy Wind‹ und ›Casey Jones‹. Geradlinige Fortsetzung bietet im gleichen Jahr AMERICAN BEAUTY mit exquisiten Songs wie ›Box Of Rain‹ und ›Sugar Magnolia‹. Auskopplung ›Truckin’‹ positioniert sich in den US-Charts auf Rang 64 – Grateful Deads Höchstplatzierung, bis 1987 ›Touch Of Grey‹, eine Auskopplung aus IN THE DARK, eine sensationelle Nummer 9 erzielt. Nach Keyboarder Ron „Pigpen“ McKernans tragisch frühem Tod 1973 mit 27 Jahren bereichern die Neuzugänge Donna Jean Godchaux (Gesang) und Keith Godchaux (Keyboards, Gesang) WAKE OF THE FLOOD, das erste Werk auf hauseigenem Label Grateful Dead, zwischen gewohnten Zutaten und einer guten Portion Jazz. Progressive Rock dominiert 1977 TERRAPIN STATION, die erste Langrille für Clive Davis‘ neu gegründetes Label Arista. Regelrecht funky gerät 1978 das Finale mit dem Ehepaar Godchaux: Der Titelsong von SHAKE-DOWN STREET zeichnet sich durch karibisches Flair aus, im Chicago Blues wühlt ›I Need A Miracle‹. Fans der frühen Stunde trauen ihren Augen nicht, als sie 1980 das Cover des stromlinienförmigen GO TO HEAVEN betrachten: Die Gegenkultur-Ikonen tragen zum Einstand von Neu-Keyboarder Brent Mydland schicke weiße Anzüge. Zu seiner Premiere liefert der 1990 mit 37 Jahren verstorbene Mydland das eingängige ›Far From Me‹. Erst 1987 folgt mit IN THE DARK ein weiteres Studiowerk – im Gespann mit AMERICAN BEAUTY und EUROPE ’72 jeweils mit Doppelplatin prämiert. Mit ›Standing On The Moon‹ vom finalen 13. Album BUILT TO LAST endet der kleine Historienaufriss auf nicht ganz so hohem Niveau, wie er einst gestartet war.