Review: Graham Nash – THIS PATH TONIGHT

nash grahamFür solche Alben wurde der Begriff „würdevolles Alterswerk“ erfunden.

Als alternde Legende hat man mit einer neuen Platte im Grunde nur zwei Möglichkeiten: Man versucht krampfhaft, mit der Moderne mitzuhalten, oder man besinnt sich auf das, was man immer schon am besten konnte. Graham Nash hat 1986 mit INNOCENT EYES ein mit synthetischen 80er-Sounds überladenes Album aufgenommen, das beinahe seine Solokarriere gekillt hätte. Erst 2003 folgte mit SONGS FOR SURVIVORS ein neuer, wenn auch blasser Versuch. Aber vielleicht hat ihn die Beschäftigung mit seinem Werk für die opulente Box REFLECTIONS (2009) dazu gebracht, sich vom Geist seiner frühen Soloalben und den Songs für die Hollies und Crosby, Stills & Nash neu inspirieren zu lassen. Und so ist THIS PATH TONIGHT ein grandioses Alterswerk geworden, das man von ihm kaum noch erwartet hätte. Denn die Songsammlung, die Nash mit dem Gitarristen Shane Fontayne in nur acht Tagen aufgenommen hat, gerann zu einem klassischen, sparsam instrumentierten Singer/Songwriter-Album, in dem der Engländer auf sein Leben zurückblickt und dessen unweigerliches Ende mit in seine Reflektionen aufnimmt. So gehören die letzten beiden Stücke, ›Back Home‹ und ›Encore‹, zu den besten Auseinandersetzungen mit der eigenen Sterblichkeit, die je erschienen sind. Und auch wenn sich auf dem Album kein zweites ›Marrakesh Express‹ oder ›Teach Your Children‹ findet, so ist THIS PATH TONIGHT doch ein berührendes Statement eines 74-Jährigen, dem noch einmal ein würdiges Werk voller meisterhafter Songs gelungen ist.

Graham Nash
THIS PATH TONIGHT
CASTLE/ADA/WARNER
8/10