GOTTHARD – PHÖNIX AUS DER ASCHE

Schicksalsschläge können einen entweder in die Knie zwingen oder nur noch stärker machen. Für GOTTHARD gilt Letzteres, mussten die Schweizer doch im Oktober 2010 den Tod ihres Freundes und Sängers Steve Lee hinnehmen. Knapp eineinhalb Jahre später meldet sich die Truppe mit dem Album FIREBIRTH neu erstarkt zurück – Hintergründe dazu erläutert Bassist MARC LYNN.

Der tragische Tod des Frontmannes brachte Gotthard an die Schwelle des Abgrundes. Neben dem möglichen Karriere-Ende verloren die verbleibenden Bandmitglieder einen Freund, der mit ihnen durch dick und dünn gegangen war. Für Außenstehende ist nur schwer nachvollziehbar, welchen Schwierigkeiten die Musiker gegenüberstanden. Doch die Liebe zur gemeinsamen Musik und die gegenseitige Unterstützung in der schweren Zeit ermöglichte das Fortbestehen, welches in FIREBIRTH gipfelt – ein Titel, der Programm ist, wie Marc bestätigt: „Der Name des Albums in Verbindung mit dem Cover – einem Feuervogel – verdeutlicht, was bei und in uns los war: Trauer und Schmerz paarten sich mit Zukunftssorgen. Nachdem wir die Geschehnisse der Vergangenheit verarbeitet hatten, waren wir uns einig, dass Gotthard weitermachen werden.“

Der Anfang war gemacht, doch das Problem bezüglich eines neuen Sängers stand weiterhin im Raum, löste sich allerdings fast von selbst: „Nachdem in entsprechenden Magazinen und im Internet die ersten Meldungen zu lesen waren, dass wir einen neuen Anlauf mit neuem Frontmann wagen wollen, durfte unser Postbote Schwerstarbeit leisten: Über 400 Tapes mit entsprechenden Bewerbungen gingen bei uns ein. Gottlob nahm uns unser Management die Vorauswahl ab, alleine wäre das nicht möglich gewesen. Die Top 10 luden wir schließlich zu uns ein, um zu sehen, wie sie sowohl als Musiker als auch als Mensch sind. Uns war von Anfang an bewusst, dass nicht nur die Stimme alleine das Auswahlkriterium ist, sondern die Kombination aus Stimmbandfähigkeiten mit Charakter und Persönlichkeit. Bei Nic Maeder waren wir uns einig: Der Junge passt perfekt zu uns!“

Kein Wunder, der in Australien aufgewachsene Schweizer ist ein Vollblutmusiker und vereint sowohl gesangliches Talent mit erstaunlichen Fähigkeiten an Piano und Gitarre sozusagen ein Wunschkandidat für den Posten des vakanten Sängers. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass ein gro- ßes Erbe auf den Neuen wartet und es nicht allzu leicht sein dürfte, die Fans zu überzeugen. Marc sieht das relativ gelassen: „Das Schicksal ist für die Tren- nung von Steve verantwortlich, nicht musikalische oder persönliche Differen- zen. Er war natürlich das Aushängeschild der Band, aber eben nicht Gotthard alleine. Für die Fans wird es am Anfang sicher eine Umstellung sein, wenn Klassiker wie ›Need To Believe‹ oder ›Anytime Anywhere‹ von Nic interpre- tiert werden, aber aufgrund seiner Klasse wird er es schaffen, unsere Anhänger zu gewinnen. Nic ist ein purer Rock’n’Roller, wohingegen Steve doch eher der Gentleman-Singer war. Wir freuen uns schon sehr auf die ersten gemeinsamen Erfahrungen auf der Bühne mit ihm. Los geht es am zweiten Juni, wenn wir zusammen mit Edguy als Support für Bülent Ceylan fungieren. Gerade dieser Auftritt ist für uns etwas Besonderes, da der Comedian nicht nur Rock-Fans anzieht und wir vielleicht auch Oma Müller davon überzeugen können, dass es noch etwas anderes gibt als Volksmusik (lacht).“ Wir dürfen gespannt sein, wohin Gotthard der Weg noch führen wird, eines ist auf jeden Fall sicher: Der Flug des Phönix geht weiter!