Review: Garbage – STRANGE LITTLE BIRDS

garbage albumStillstand? Nicht zwangsläufig ein Problem!

Es gibt Bands, denen man nicht böse ist, wenn sie sich nicht verändern. Oder weiterentwickeln. Garbage sind so eine Band. Songs wie die eher durchschnittliche erste Single ›Empty‹ oder das nachfolgende ›Blackout‹ hätten auch auf dem Debüt der Band vor 21 Jahren eine gute Figur abgegeben. Deshalb steht STRANGE LITTLE BIRDS für Shirley Manson auch am ehesten mit dem Debütalbum auf einer Stufe. Dabei zählen die beiden genannten Nummern noch zu den weniger überzeugenden Tracks auf dem ersten Album seit vier Jahren. Es sind die düsteren, ruhigen und poppigen Momente, die STRANGE LITTLE BIRDS, das sechste Album des Quartetts, zu einer tollen Angelegenheit werden lassen. Elektronisch-düster kommt ›Sometimes‹ aus den Startlöchern. „Sometimes I’d rather take a beating/punch“ – Shirley Manson gibt sich gewohnt kämpferisch. Garbage genießen eine neue Freiheit, den Geist der eigenen Jugend, denn STRANGE LITTLE BIRDS ist das zweite Album auf dem bandeigenen Label. ›If I Lost You‹ plätschert anfänglich ein wenig dahin, nicht unangenehm, kriegt einen aber im dritten Durchgang. Ganz anders der atmosphärisch-düstere Midtempo-Kracher ›Night Drive Loneliness‹ mit seinen creepy Keyboard-Sounds – der hat einen sofort. „Why we will kill the things we love the most“ fragt sich Manson im Album-Highlight ›Even Though Our Love Is Doomed‹. „You’re the only thing worth fighting/dying for“ – beherzte Romantik á la Manson. Ein fetter Uptempo-Basslauf begleitet das poppige ›So We Can Stay Alive‹, ›Teaching Little Fingers To Play‹ tönt naiv, verletzlich und provokant. Damit ist STRANGE LITTLE BIRDS um Klassen besser besetzt als das Comeback-Album NOT YOUR KIND OF PEOPLE vor vier Jahren. Eine Revolution ist STRANGE LITTLE BIRDS vielleicht nicht geworden, wie Manson es gefordert hat, aber „can you love me for what I’ve become?“ – das tun wir doch Miss Manson. Schon immer.

Garbage
STRANGE LITTLE BIRDS
STUNVOLUME/PIAS/ROUGH TRADE
7/10