Fischer-Z: Raue Töne, positive Botschaften

fischer z 2017Mit 62 könnte er eigentlich schon an die Rente denken, doch John Watts hat viel vor in diesem Jahr. Schließlich gilt es, mit einer Tournee, Klassiker-Reissues und einer Buchveröffentlichung den 40. Geburtstag seiner Band Fischer-Z gebührend zu feiern – und ganz nebenbei ist dem britischen Tausendsassa nur rund ein Jahr nach THIS IS MY UNIVERSE mit BUILDING BRIDGES noch ein neues Album rausgerutscht, auf dem er so angriffslustig, so spontan, ja so jugendlich klingt wie schon lange nicht mehr und dabei doch vor allem für Liebe und Frieden plädiert.

Vier Jahrzehnte ist es inzwischen her, dass Fischer-Z starteten, und auch die kommerziell er­­folgreichste Phase der Band mit Wave-Evergreens wie ›Berlin‹ oder ›Marliese‹ liegt fast ebenso lange zu­­­rück. Musiker kamen und gingen, nur Mastermind John Watts blieb und verfolgte seinen Weg – auf vielen kreativen Umleitungen – unbeirrt weiter. Deshalb zieht sich bis heute ein roter Faden durch das ab­­wechslungsreiche Schaffen des in Brighton heimischen Musikers. „Meine Songs sind immer sehr simpel, aber dynamisch, sie zeichnen sich stets durch Melodien und hoffentlich auch durch Energie aus, und meine Texte lesen sich eher wie die eines Schriftstellers und weniger wie die eines Songwriters. Das hat sich in all den Jahren nicht verändert“, fasst er im CLASSIC-ROCK-Interview sein Schaffen kurz und bündig zusammen. „Am wichtigsten ist mir aber auch heute noch, neue Dinge auszuprobieren und mich nicht nur zu wiederholen.“

Doch auch wenn der betont bodenständige Musiker – „Fünf Kinder mit derselben Frau, welcher Künstler kann das schon von sich behaupten?“, fragt er lachend – in den letzten 40 Jahren viele Aufs und Abs erlebt hat, gibt es nicht viel, was er rückblickend bereut. Mit einer Aus­­nahme. „Ich hätte damals gerne ein besseres Verständnis dafür gehabt, wie das Musikbusiness funktioniert“, gesteht er. „Viele meiner Kumpels wussten genau, wie der Hase läuft. Ich hatte ja klinische Psychologie studiert, kam also aus einer ganz anderen Ecke und hatte keinen Schimmer.“ So war er viele Jahre davon überzeugt, dass musikalisch andersartige Projekte auch nach neuen Bandnamen ver­­langen, statt die „Marke“ Fischer-Z zu stützen. Auch BUILDING BRIDGES, das 20. Album seiner ausgefransten Diskografie, sollte eigentlich keine Fischer-Z-Veröffentlichung werden. „Das Ganze war als Nebenprojekt geplant: Nur ich und der Drummer Jamie Bush, der Freund einer meiner Töchter, der sonst bei Tall Ships spielt“, erzählt Watts. „Unsere Idee war, eine verrückte Indie-Platte aufzunehmen – zwei laute Stromgitarren und ein Schlagzeug.“ Doch Watts’ Sohn Eric, der sich inzwischen um das Management kümmert, pfiff seinen alten Herrn zurück. „,Nein, nein!‘, protestierte er, ‚das muss ein Fischer-Z-Album werden!‘“, erinnert sich Watts lachend.

Kaum ein Jahr ist seit dem letzten Al­­bum vergangen, doch auch wenn THIS IS MY UNIVERSE und BUILDING BRIDGES im Kern den gleichen Ursprung haben, hätte doch ihre Entstehung nicht unterschiedlicher sein können. „Das stimmt“, bestätigt Watts. „THIS IS MY UNIVERSE wurde auf ganz andere Weise ausgearbeitet als die neue Platte. Ich habe an den Songs lange gemeinsam mit der Band ge­­werkelt und sie dann so aufgenommen, wie man das nun mal macht. Das Aufregende bei BUILDING BRIDGES war dagegen, dass alles so schnell passierte.“ Die Songs für das neue Werk hatte Watts in ein paar Tagen zusammen: Gebunkerte Gedichte, Artikel und manchmal auch nur lose Gedanken verband er mit simplen, krachenden Gitarrenriffs und oft unbändiger, ja punkiger Energie. „Unser Ziel war es, so schnell und frei wie möglich zu arbeiten“, erklärt er.