In Extremo

In Extremo 2010Bei der Band-Gründung vor 15 Jahren hätte wohl niemand geglaubt, dass sich In Extremo mit ihrem Mix aus Mittelalter-Sounds und harten Riffs zu einem der erfolgreichsten deutschen Acts entwickeln würden. Nun beweisen die Berliner um Fronter Micha Rhein, dass die Reise für sie noch nicht vorbei ist – sie haben mit STERNENEISEN ein frisches Album im Gepäck und mit Florian „Specki“ Speckardt einen neuen Drum-Mann.

Micha, Specki, wie habt ihr zueinander gefunden?
Micha: Unsere Trennung von Reiner Morgenroth hatte sich quasi per Buschfunk in der Szene rumgesprochen. Wir sind damit gar nicht hausieren gegangen und hatten trotzdem viele Bewerber auf den Job. Während unserer Akustik-Tour rief mich Specki an. Wir haben ein bisschen geredet, schnell gemerkt, dass das ganz gut passt und beschlossen, uns mal zu treffen.

Specki: Dann ging alles sehr schnell. Ich kannte In Extremo, und sie kannten Letzte Instanz, die Band, bei der ich früher gespielt habe. Ihnen war vor allem wichtig, ob ich vom Typ her in die Band passe. Also sind wir zum Saufen gegangen und haben den Deal sozusagen am Tresen gemacht. Am 6. April 2010 habe ich den Anruf bekommen, dass ich der neue Schlagzeuger bin. Mein erstes Konzert hatte ich dann am 30. Juni: Rock im Park, Hauptbühne. Das ist natürlich ein guter Auftakt, das erste Konzert vor 70.000 Leuten zu spielen. Das werde ich nie vergessen. Du kannst mich in 40 Jahren um 4 Uhr früh wecken und fragen: „Was war am 30.6.2010?“ Dann werde ich sagen: „Rock im Park!“

Das letzte In Extremo-Album SÄNGERKRIEG belegte Platz eins der deutschen Charts. Hat sich dieser enorme Erfolg beim Schreiben von STERNENEISEN bemerkbar gemacht?
Micha: Der Druck ist natürlich da. Den macht man sich auch selber. Aber was kommt, das kommt. Es ist auch immer eine Glücksfrage, welche anderen Künstler parallel zu einem ein Album herausbringen – denn das spielt bei der Chartsplatzierung natürlich eine Rolle. Obwohl, bei SÄNGERKRIEG war es Madonna. Daher hat damals keiner damit gerechnet, dass wir sie überholen.

Wann habt ihr angefangen, an STERNENEISEN zu arbeiten?
Micha: Ab April vergangenen Jahres. Im September ging es dann intensiv weiter, und im Oktober haben wir uns schließlich eine Woche mit der Vorproduktion beschäftigt. Ab da ging es dann richtig los.

Specki: Die Vorproduktion war wichtig, um alle wachzurütteln – sowohl die Produzenten als auch die Band. Mitte November sind wir dann vier Wochen für die Aufnahmen ins Principal-Studio nach Münster gefahren. Wir wussten, dass dort noch sehr viel passieren würde, was die Song-Details angeht. In Ex-tremo sind keine Band, die komplett vorbereitet in die Aufnahmephase geht. Wir lassen uns noch Raum für Spielereien offen, für Spontaneität. Der Song ›Zauberspruch No. II‹ ist zum Beispiel komplett im Studio entstanden.

Micha: Das macht auch die Vielseitigkeit unserer Platten aus. Wir haben zwar natürlich einen Plan und gehen nicht völlig verpeilt ins Studio. Aber vieles entwickelt sich einfach besser, wenn es nicht durchgeplant ist.

Der Titel STERNENEISEN ist dagegen nicht spontan gewählt, sondern mit Bedacht. Der Begriff steht für Metall aus dem Weltraum, das man z.B. in Meteoriten findet und dem auch magische Eigenschaften zugeschrieben werden – so soll das Schwert „Excalibur“ aus diesem Metall geschmiedet worden sein. Wie kamt ihr auf den Albumtitel?
Micha: Ich glaube, Dr. Pymonte hat den Namen damals auf den Tisch ge-bracht. Wir fanden, dass der Begriff gut klingt und wollten wissen, was dahintersteckt.

Specki: Es ist ein Wort, mit dem die meisten erst einmal nichts anfangen können, das aber dennoch sofort im Gedächtnis bleibt. Zudem hat jeder seine eigene Vorstellung davon, was „Sterneneisen“ bedeuten könnte.

Wenn man STERNENEISEN mit dem Vorgänger SÄNGERKRIEG vergleicht, fällt auf, dass ihr jetzt düsterer und wuchtiger zu Werke geht. Wieso dieser Stimmungswechsel?
Micha: Die Songs basieren eben auf Texten, die eine andere Ausrichtung haben. Aber ich finde schon, dass auch STERNENEISEN ein sehr positives Album geworden ist – so handeln die Lyrics unter anderem von Sternen und Romantik. Aber es ist natürlich auch gut, ein paar düsterere Songs dabeizuhaben. Und dass die Scheibe streckenweise etwas härter geworden ist, lag ein bisschen an Speckis Trommeln. Er hat des Öfteren fette Vorlagen geliefert, auf die man richtig was draufsetzen konnte.

Ihr habt auch zwei Gäste auf dem Album: Mille von Kreator bei ›Unsichtbar‹ und den Graf von Unheilig bei ›Hol die Sterne‹. Wie kamt ihr auf die beiden?
Micha: Als ›Unsichtbar‹ fertig komponiert war, hatten wir das Gefühl, dass dem Stück ein Gastsänger gut zu Gesicht stehen würde. Wir haben dann überlegt, wen wir fragen sollen, und da kam uns Mille in den Sinn. Wir haben ihn dann angerufen, und er wollte sofort mitmachen. Als er schließlich ins Studio kam, haben wir erst einmal zwei Stunden zusammen Kaffee getrunken. Dann ist er ans Mikro gegangen, bekam den Text, und er hat vier oder fünf Varianten ausprobiert. Das war’s dann auch schon.

Specki: (reißt den Arm nach vorne, kreischt und lacht dann) Er stand in der typischen Thrash Metal-Pose da, super! Aber der Grund, warum wir uns eigentlich für diese Musiker entschieden haben, ist der: Beide sind wahre Spielmänner! Sie machen das, bis sie irgendwann ins Grab gehen!

Diese Konstanz ist auch etwas, das In Extremo auszeichnet. So treten bei ›Zauberspruch No. VII‹ eure Wurzeln wieder deutlich zu Tage…
Micha: Wir sind eine moderne Rockband, die mittelalterliche Instrumente benutzt. Und wir werden unsere Wurzeln nie verleugnen. Wenn heute einige Leute behaupten, dass wir keine Mittelalter-Rocker mehr wären, dann sage ich darauf: „Natürlich sind wir das!“ Für uns hat alles auf Mittelaltermärkten angefangen. Ohne die gäbe es die Band gar nicht.

Bedeutet das auch, dass wir euch in den nächsten Monaten wieder live sehen werden?
Specki: Ja. Erst stehen ein paar Deutschland-Shows und Festival-Gigs im Sommer an, und dann wollen wir wieder ins Ausland. Heißt: Wir werden viel von der Welt sehen und uns bestimmt die ein oder andere Bockwurst an der Raststätte genehmigen.