Rückblende: Europe – ›The Final Countdown‹

europeEin ausgeliehener Synthesizer, ein Funke der Inspiration und ein bisschen Glück: Fertig war der Song, der eine Band, die im Eiltempo Richtung Abstellgleis fuhr, plötzlich in 25 Ländern auf Platz 1 brachte – und den wirklich JEDER kennt.

Es ist eine der bekanntesten und allgegenwärtigsten Notenfolgen in der populären Musik – wahrscheinlich könnte sie selbst die Queen auf Befehl vor­sum­men. Das Titelstück vom dritten Album von Europe wurde 2016 zwar 30, doch jenes simple Keyboard-Riff von ›The Final Countdown‹ geht noch auf Joakim Larssons Studentenzeit in Stockholm zurück – vielleicht sogar auf jene Zeit, bevor er sich Joey Tempest nannte.

„Ich ging damals noch auf die Uni. Da gab es diesen Typen, den ich kannte, Mic Michaeli, er war in einer Band namens Avalon“, erinnert sich der Sänger. „Eines Tages ging ich zu ihm und fragte, ob ich mir sein Keyboard borgen könnte. Er muss mich für einen totalen Irren gehalten haben, aber er sagte tatsächlich Ja.“ Viel später dann übernahm Michaeli den Posten des Keyboarders bei Europe von Tempest.

Als der mit dem ausgeliehenen Korg PolySix herumspielte, stieß er auf diesen ausladenden Sound, aus dem das lange Intro des Songs wurde. Doch eine Zeitlang wurde der noch namenlose Klangfetzen erst mal nicht weiterentwickelt. „Ich wusste, dass es etwas Besonderes war, aber ich konnte keinen Song daraus stricken“, sagt Tempest heute. Und dann kam es zu einem glücklichen Zufall. Das Büro des Europe-Managements befand sich direkt gegenüber von einem Club, in den die Band oft ging. „Unser Manager schlug vor, dass sie dort das einminütige Stück zu ihrer Lasershow spielen könnten – einfach zum Spaß. An der Bar unterhielten [Bassist] John Levén und ich uns dann darüber, wie man mehr daraus machen könnte.“

Inspiriert von seiner Liebe zu UFO, spielte Joey mithilfe einer Drum-Maschine den galoppierenden Beat ein, und nachdem ihm das Wort „Countdown“ in den Sinn kam, schrieb er einen Text inklusive der Worte „leaving together“ und „heading for Venus“. „Danach fügte sich dann alles ziemlich schnell. Der Gesang bleibt über die gesamte Länge in einer monotonen Linie, während sich die Akkorde darunter verändern. Mir wurde erst später im Leben klar, dass viele klassische Komponisten so arbeiten. Das ist hypnotisch und ziemlich cool.“ Doch ob­­wohl er den Song seinen Bandkollegen präsentierte, schaffte er es – immer noch sperrige sechseinhalb Minuten lang – nicht auf die ersten beiden Europe-Alben. „Wir waren eine Gitarrenband … das war für uns sehr un­­­gewöhnlich“, erklärt Tempest.

Doch letztlich entschieden sich Europe, dass die Zeit reif war, um, wie er es sagt, „den Kopf rauszustrecken und mal was anderes zu machen“. John Norum versuchte im Studio, ›Lazy‹ von Deep Purple in seinem Gitarrensolo heraufzubeschwören, während Journey-Produzent Kevin Elsons Vorschlag abgelehnt wurde, den absichtlich britischen Beat durch einen amerikanischeren, wuchtigeren zu ersetzen.

„Einen Tag lag hieß das Stück tatsächlich ›The Final Breakdown‹“, sagt Joey lachend, „doch letztendlich fanden wir die ursprüngliche Idee und den Titel besser, denn zu dem Rhythmus wollte man einfach auf und ab springen.“