Errorhead – Ein Fest künstlerischer Freiheit

Errorhead 2014 vor blauem Hintergrund_Foto Claus DoepelheuerBei Errorhead geht’s zuerst um die Musik, die Vermarktung kommt an zweiter Stelle, wie ihr preisgekrönter Gitarrist Marcus Deml betont.

Neben der NAMM Show in Anaheim, Kalifornien, ist die Frankfurter Musikmesse die weltgrößte Schau für Instrumente und Zubehör. Im März 2014 absolvierte Gitarrist Marcus Deml dort jeden Messetag zwei Showcases für seinen Klampfensponsor. „Da sitze ich in einer Schallkabine und spiele jeweils 40 Minuten“, erzählt er. „Dafür bezahlt mich die Gitarrenfirma. Schließlich ist die beste Werbung für eine Gitarre, sie zu spielen.“ Deml hat übrigens noch eine Reihe weiterer Sponsoren, darunter eine Hut-Firma. Die Kopfbedeckung zählt schließlich zu seinen Markenzeichen. „Ich habe noch Haare“, lächelt der 46-Jährige, „aber ich finde, der Hut steht mir gut. Es ist übrigens nicht irgendein Hut, sondern ein Stetson. Wenn ich auf die Bühne gehe, setze ich ihn auf und damit schalte ich bestimmte Gedanken ab – das ist ein Ritual.“
Ende April erscheint das fünfte Album seiner Band Errorhead, EVOLUTION. „Der Titel sagt es bereits, wir haben uns weiter entwickelt, doch der Geist der 70er weht auch durch die neuen Aufnahmen. Bei Errorhead gibt es noch künstlerische Freiheit. Erstmal wird Musik gemacht und dann schauen wir, wie wir sie vermarkten. Das ist bei vielen Produktionen inzwischen umgekehrt – und das kann nicht sein! Es geht doch darum, geile Musik zu machen!“ EVOLUTION ist übrigens keine reine Gitarrenplatte, Errorhead präsentieren acht Songs mit Gesang und vier Instrumentals. „Inzwischen gibt es eine Umbesetzung am Mikrophon, da steht jetzt Karsten Stiers. Ich hatte 25 Kandidaten auf meiner Liste – und er war zufällig der erste, den ich angerufen habe. Karsten hat in meinem Studio vorgesungen und ich fand seine Stimme tierisch. Es war Liebe auf den ersten Blick!“ Daneben rocken Zacky Tsoukas am Schlagzeug und Frank Itt am Bass, „meine musikalische Schwester“, wie Deml den schwergewichtigen Tiefton-Experten liebevoll nennt.
Marcus Nepomuc Deml wurde 1967 in Prag geboren. Politisch verfolgt, flohen seine Eltern aus der Tschechoslowakei. Er wuchs in Deutschland auf und ging als 19-Jähriger nach LA, um am Guitar Institute Of Technology (heute Musician’s Institute) zu studieren. Bereits ein Jahr später erteilte er dort selbst Unterricht. „Als ich zwanzig war, hatte ich eine Band, die beim Management von Guns N´Roses unter Vertrag stand. Wir wurden in Stretchlimos durch die Stadt kutschiert. Aus Business-Gründen sind wir am Ende auseinander gegangen.“ 1993 kehrte Deml nach Deutschland zurück und spielte für Promis wie Nena und Moses Pelham. Im Jahr 2005 übergab ihm kein Geringerer als Steve Lukather (Toto) in der Rock’n’Roll Hall Of Fame in Cleveland den „Guitar Hero Award“, auch als „Gitarren-Oscar“ bekannt.
Heute ist Deml in alle Aspekte seiner Karriere involviert. „In dieser Branche fließt nur wenig Geld. Wenn ein Künstler an einer Platte etwas verdienen will, muss er sie auf seinem eigenen Label herausbringen. Ich habe schließlich 2.500 Arbeitsstunden in diese Scheibe gesteckt.“ Von der Produktion über die Gründung des Labels Lighthouse bis zur Promotion der CD – Deml bestimmt überall mit. Das reicht bis zum Thema Streaming, das momentan heiß diskutiert wird. „Das kann man von zwei Seiten sehen: Die einen sehen Streaming als aktuelles Radio – die anderen als Dolchstoß für die Künstler. Unsere Band wird ein paar Titel zum Streaming freigeben, aber ich wehre mich entschieden dagegen, denen das ganze Album zu überlassen!“