Review: Erik Cohen – WEISSES RAUSCHEN

Cohen, EricWeißes Rauschen vom Kieler Mann in Schwarz.

Auf NOSTALGIE FÜR DIE ZUKUNFT löste sich Erik Cohen 2014 von der Koexistenz als Smoke-Blow-Sänger Jack Letten: Statt Punk-Rotz servierte der Kieler dunkle Rock-Riffs, melancholische Melodien und tiefsinnige Texte in deutscher Sprache. Zwei Jahre später verfeinert Cohen seinen augenzwinkernd „Doom-Pop“ betitelten Stil. WEISSES RAUSCHEN grinst lichtscheuen 70er-/80er-Größen wie The Sisters Of Mercy und Joy Division (treibend: ›Hier ist nicht Hollywood‹), The Cure (je nach Betrachtungsweise kitschig oder berührend: ›Neues Blut‹), The Cult und New Order (›Schattenland‹) zu, verbeugt sich (orgelnd) vor 70er-Dinosauriern des Formats The Doors, Dire Straits, AC/DC und Deep Purple (›Totenspinnengeist‹, ›Der heilige Gral‹, ›Das gute Gefühl‹) und erinnert daran, dass die verdrogtesten Oasis-Nummern aus den 90ern stammen (gewöhnungsbedürftig: ›Tapete‹). Cohen stellt seine Helden offen und stolz zur Schau, arrangiert die Einflüsse aber überwiegend so, dass etwas Eigenes entsteht. Vor allem die im Vergleich zum Debüt stärker hervortretenden Country-Elemente rücken den Künstler ein weiteres Stück in Mike-Ness-Nähe (›Deine Dämonen‹) und rechtfertigen sogar kleine Johnny-Cash-Querverweise (›Nur ein Herzschlag‹, ›Regen‹).

Erik Cohen
WEISSES RAUSCHEN
RYL NKR/ROUGH TRADE
7/10