Eric Clapton: „Mein Leben ist wirklich gesegnet“

eric clapton 2016Claptons neues Album I STILL DO mit einem von Peter Blake gestalteten Cover ist ein unterhaltsam abwechslungsreicher Mix aus Blues-Stücken, J.J.-Cale-Coverversionen, Kuriositäten und Eigenkompositionen, inklusive gelegentlicher Killer-Soli, um die Überfans zufriedenzustellen. Der einstige Wüstling ist hier vielleicht weniger gequält (seit 2002 ist er glücklich mit Melia McEnery verheiratet und sie haben drei Kinder), aber immer noch in Kontakt zu seiner Muse.

Woher kam der Titel?
Das war etwas, das eine Verwandte – meine liebe Tante – sagte, kurz bevor sie von uns ging. Ich unterhielt mich mit ihr darüber, als ich noch ein Kind war, und dankte ihr dafür, so liebevoll gewesen zu sein. Sie sagte: „Ich mochte dich. Und das tue ich immer noch“ (engl.: „I still do“). Und ich dachte, na ja, etwas Besseres kann man nicht gesagt bekommen. Also speicherte ich es in meinem Kopf ab und sagte mir: „Das werde ich verwenden“.

War es schön, wieder mit Produzent Glyn Johns im Studio zu sein?
Ja, das war es. Eigentlich war es das 40. Jubiläum unseres ersten Mals – SLOWHAND. Und die meiste Zeit seitdem hatte ich ihn wirklich nicht gesehen. Ich wusste, dass er unterwegs war und verschiedene Sachen machte, aber wir sind einander in dieser Zeit nicht sehr oft begegnet.

Musstest du dich bei ihm für die 1977er Session entschuldigen?
(Pause) Ich bin mir nicht sicher, ob ich das getan habe. Und ich denke auch nicht, dass er das erwartet hat. Oder ob ich es wirklich tun musste. Auch wenn ich damals ein wirklich unangenehmer Typ war, die Arbeit habe ich immer gemacht. Tatsächlich glaube ich nicht, dass er in den Jahren, in denen wir zusammengearbeitet haben, mich jemals zurechtweisen musste. Ich sah, wie er das bei anderen tun musste, und ich dachte, das will ich wirklich nicht selber erleben, also werde ich einfach meinen Job machen. (kichert) Also tat ich das. Nein, ich hätte mich eigentlich nicht für allzu viel bei ihm entschuldigen müssen. Meine Persönlichkeit war nicht gut, aber mein Arbeitsethos war nicht übel.

Vermutlich fällt es dir nicht schwer, diese tiefen Emotionen anzuzapfen, die es dir ermöglichen, den Blues zu singen, etwa auf ›Stones In My Passway‹, dem Robert-Johnson-Cover auf I STILL DO.
(lacht lange) Nein! Ich meine, ich musste im vergangenen Jahr mit viel körperlichem Schmerz klarkommen, und ich fange an, das in den Griff zu bekommen. Eine Sache, die ich lernen musste ist, dass diese Krankheit, mit der ich lebe, nicht unbedingt besser werden wird. Manchmal läuft das ja so – man fängt sich etwas ein und dann geht es vorbei. Das ist hier nicht so, und das musste ich akzeptieren und mich darauf einstellen. Das war auch sehr lehrreich, denn ich habe viel darüber erfahren, wieviel ich aushalten kann. Der Mensch hat im Allgemeinen eine enorme Kapazität dafür. Über diese Sachen zu singen, ist für mich also sehr real.