Eric Burdon: Stuttgart, Freilichtbühne Killesberg (27.06.15)

Eric_Burdon_Publicity_PhotoAltersloser Blueser

Etwas über ein Jahr nach seinem letzten Gastspiel dort verschlägt es Eric Burdon schon wieder nach Stuttgart. Diesmal in die schmucke Freilichtbühne im Höhenpark Killesberg, wie sich zeigen wird der perfekte Rahmen für ein Bluesrock-Konzert mit hippiesker Note. 2000 Menschen sind gekommen, um den Sänger der Animals live zu sehen, viele waren sicherlich auch das letzte Mal dabei. Der Herr ist 74, allzu viele Konzertreisen wird es gewiss nicht mehr geben. Andererseits: Wer so agil durch den Zuschauerraum auf die Bühne schreitet, wie immer sonnenbebrillt und grinsend, der hat noch lange nicht genug. Sieht man auch an der Setlist: Anstatt hübsch einfach das ewig gleiche Programm abzuspulen, gibt es auch an diesem lauen Sommerabend manche große Überraschung. Mit ›Don’t Bring Me Down‹ geht es zunächst nostalgisch los. Die Animals-Nummer von 1966 behält ihre fiebrige Orgel, bekommt aber einen modernen Groove eingeimpft. So macht Burdon das gern: Hier wird nichts so gespielt, wie es immer schon klang, hier wird überstreut, ergänzt, gepimpt und dekoriert, wie es dem ewigen Rebellen passt. ›Don’t Let Me Be Misunderstood‹ kommt noch eine Ecke reggaelastiger als zuletzt daher, da wiegen sich ganze Heerscharen vor der Bühne schon selig im Takt. Die Stimmung ist rekordverdächtig gut, allerorten wird gestrahlt, getanzt und mitgesungen. Das gefällt Burdon natürlich, täuscht über die hinteren lichten Reihen hinweg. Höhepunkt eines schnörkellosen, erdigen und tighten Konzerts ist dann übrigens nicht ›The House Of The Rising Sun‹, sondern die in die Jahre gekommene Folk­lore-Ballade ›Black Girl‹, die auch schon Nirvana im Repertoire hatten. Eric Burdon macht daraus eine finstere Southern-Gothic-Nummer, die noch lange nachhallt. Er kann es noch immer.