Review: Elvis Presley – ELVIS ON TELEVISION 1956 – 1960: THE COMPLETE SOUNDTRACK RECORDINGS

elvis fernsehenVon der Hüfte an aufwärts: Wie der King Of Rock’n’Roll den Durchbruch meisterte.

Beim Aufstieg des 21-jährigen Lastwagenfahrers aus Memphis zum Rock’n’Roll-Idol leistete das noch junge Fernsehen Schützenhilfe. War doch nicht nur sein archaischer R’n’B für den Erdrutsch verantwortlich, der Mitte der 50er weltweit juvenile Rebellion auslöste. Vor allem Presleys balzartige Choreographie sorgte für Kontroversen. „Grunzen, Vulgäres und Animalisches aus dem Bordell“, glaubte der Kommentator der „New York Daily News“ registriert zu haben, als er über Presleys Auftritt in der Milton Berle Show am 5. Juni 1956 berichtete. Dabei war es Berle selbst, der dem von Gitarrist Scotty Moore, Bassist Bill Black und Schlagzeuger D.J. Fontana begleiteten Südstaatennachwuchs den Tipp gab, seine Akustikgitarre in der Garderobe zu lassen: „Let ´em see you, son.“ Erst brachte das Trio den Schwofer ›Hound Dog‹, danach die Ballade ›I Want You, I Need You, I Love You‹. Am nächsten Tag brach in den USA die Hölle los. Es war nicht die erste Stippvisite, die Presley Berle gönnte: Am 3. April auf der USS Hancock im Hafen von San Diego gab das manische Triumvirat ›Shake, Rattle And Roll‹, ›Heartbreak Hotel‹ und ›Blue Suede Shoes‹. Doch Elvis-Kenner schwören auf jene sechs Auftritte von Januar bis März 1956 in The Dorsey Brothers – Stage Show. Da gab es mehr als ein Dutzend Kracher der noch TV-Unerfahrenen, darunter Perlen wie ›I Got A Woman‹, ›Baby Let’s Play House‹, ›Tutti Frutti‹ und ›Money Honey‹. Riesenwellen schlugen indes drei Auftritte in der Ed Sullivan Show. Befand Sullivan doch noch Monate zuvor: „Elvis ist eines Familienprogramms nicht würdig.“ Von Presleys lasziven Hüftschwüngen in ›Don’t Be Cruel‹, ›Hound Dog‹, ›Ready Teddy‹ und ›Too Much‹ bekamen die TV-Zuschauer indes nur wenig mit – Katholik Sullivan erlaubte Kameraeinstellungen zumeist nur im oberen Körperdrittel. Vorsorglich ließ der prüde Sullivan den Haartollen-Beau zudem Balladeskes wie ›Love Me‹, ›Love Me Tender‹, ›When My Blue Moon Turns To Gold Again‹ und ›(There’ll Be) Peace In The Valley‹ schmettern. Vier Jahre später, nach Hollywood-Filmen und der Armeezeit in Deutschland, traf Mr. Presley auf den Klassenfeind in dessen wöchentlicher TV-Show: Frank Sinatra. Aus der einstigen Raubkatze war ein Schmusekätzchen geworden. In diversen Duetten mit Frankie-Boy, dessen Töchterlein Nancy, Sammy Davis Jr. und Joey Bishop wirkt der Ex-Tiger ziemlich zahnlos. ELVIS ON TELEVISION 1956 – 1960: THE COMPLETE SOUNDTRACK RECORDINGS versammelt sämtliche Aufnahmen inklusive Ansagen, Dialogen, Sketchen und sonstigen Späßchen in akribischer Chronologie auf zwei CDs – und spart auch nicht an einem 100-seitigen Buch mit rarem Fotomaterial und klugen Essays.

Elvis Presley
ELVIS ON TELEVISION 1956 – 1960: THE COMPLETE SOUNDTRACK RECORDINGS
BEAR FAMILY
8/10