Edguy – Fünf Freunde

Edguy2014bMit SPACE POLICE – DEFENDERS OF THE CROWN dokumentieren Edguy ihre Ausnahmestellung im deutschen Melodic Metal. Von Frontmann Tobias Sammet gibt es jetzt sogar eine Art Karikatur auf dem Cover-Artwork.

Die Fans kennen Tobias Sammet vor allem als fröhlichen Zeitgenossen, der das Herz auf der Zunge trägt und mit humorvollen Anekdoten über sich und seinen Berufsstand gerne sein schelmisches Naturell zum Ausdruck bringt. Aber es gibt auch den anderen, den zweifelnden und latent melancholischen Sammet. „Das Gefühl des hässlichen Entleins, das sich allein auf weiter Flur befindet, dieses Gefühl hat mich immer angetrieben“, gesteht der Sänger der deutschen Melodic-Metaller Edguy. „Gleichzeitig kämpfe ich gerne gegen Konventionen, allerdings vorzugsweise mit Humor und Augenzwinkern.“ Humor und Augenzwinkern, so lässt sich wohl auch die Andeutung einer Sammet-Karikatur beschreiben, die das Frontcover des neuen Edguy-Albums SPACE POLICE – DEFENDERS OF THE CROWN ziert. Ähnlichkeiten zum Sänger der Band jedenfalls sind vermutlich nicht ganz zufällig.
Dass Edguy nicht der einzige Arbeitsbereich des 36-Jährigen ist, wissen Anhänger der Gruppe seit langem. In schöner Regelmäßigkeit kümmert er sich abwechselnd um Edguy und um sein Metal-Oper-Projekt Avantasia, eine Art Allstartruppe mit wechselnden Protagonisten. Personelle oder zeitliche Überschneidungen kennen beide Projekte nicht, lediglich die Musik ist weitgehend im gleichen Genre Zuhause. „Zwischen Edguy und Avantasia läuft nie etwas parallel, weil ich mir das auch gar nicht zutrauen würde“, erläutert Sammet, der beiden Bands jeweils ausreichend Zeit zur vollen Entfaltung einräumt, solange bis ihn das schlechte Gewissen gegenüber der jeweils anderen Verpflichtung einholt. Er sagt: „Wenn ich von einer Avantasia-Tournee nach Hause komme und den Eindruck habe, ich würde jetzt gerne drei Monate einfach mal nichts tun, fällt mir schnell wieder ein, dass der Rest von Edguy bereits auf mich wartet.“
Dann trifft er seine alten Kumpels wieder, mit denen er – ohne Besetzungswechsel! – seit 1998 genau die Musik macht, die er und seine Mitstreiter so lieben – schnell, heavy, melodisch und straff arrangiert. „Wir wollten noch nie Komplexität vorgaukeln, sondern einfach nur Songs schreiben, die gute Hooklines haben, Refrain-orientiert sind, ohne die Grenze zum Kitsch zu überschreiten, sodass man nicht behaupten kann: ‚Das hätte auch von Wolle Petry stammen können.’ Wir haben das Rad nicht neu erfunden, aber unsere Songs sind trotzdem alles andere als abgedroschen.“
Die Kontrolle darüber, wieweit sich Edguy in härtere Gefilde vorwagen oder aber – wie im Fall ›Rock Me Amadeus‹ von Falco – sich auf SPACE POLICE – DEFENDERS OF THE CROWN auch dem Wagnis einer vermeintlich riskanten Coverversion stellen, liegt komplett in Sammets Händen. Jedenfalls im Streitfall: „Sagen wir es mal so: Edguy sind eine demokratische Band, aber ich habe Vetorecht. Unter dem Strich sind wir fünf Freunde, unter denen alles ausdiskutiert wird. Aber wie beim Autofahren muss einer entscheiden, in welche Richtung es gehen soll. Ich glaube sowieso nicht an eine bedingungslose Demokratie.“
Die ist bei Edguy auch gar nicht gewollt, denn die Instrumentalisten der Gruppe vertrauen ihrem Frontmann und seinem Verantwortungsbewusstsein. „Bei Avantasia bin ich niemandem Rechenschaft schuldig, bei Edguy dagegen gibt es vier Freunde, denen ich unbedingt gerecht werden will. Anders würde diese Band auch gar nicht funktionieren.“