Drummer-Götter: Die 20 besten Schlagzeuger

keith moon the who

Auch die besten Schlagzeuger stehen selten im Rampenlicht, von ihnen gibt es keine Poster (außerhalb von Drum Magazinen), nur Nerds wollen ihre Autogramme. Drummer und Bassisten arbeiten im Maschinenraum des Rock’n’Roll. Doch ohne die Maschine rollt der Rock nun mal nicht, deswegen widmen wir die kommenden Seiten den begabtesten Söhnen Thors. Sicher gibt es noch viele weitere wichtige Schlagzeuger, stellvertretend haben wir uns zwanzig besonders leuchtende Beispiele der Spezies Rockdrummer ausgesucht.

GINGER BAKER

Über wenige Schlagzeuger wurde bereits zu Lebzeiten ein Dokumentarfilm gedreht, „Beware Of Mr. Baker“ zeigt das verrückte Genie mitsamt seinen Licht- und Schattenseiten. Zu Recht klebt ihm das Etikett „Teufelstrommler“ an. Seinen Karriere-Höhepunkt hatte Ginger Baker mit dem Trio Cream, es folgten weitere großartige Bands wie Blind Faith und die Baker Gurvitz Army. Geprägt vom Jazz der frühen 60er, war der britische Trommler Phil Seamen sein Vorbild und Freund, der ihn leider auch mit Heroin bekannt machte. Vor allem afrikanische Rhythmen faszinierten Baker, was seine Vorliebe für Tom Toms erklärt. Zudem war er ein Vorreiter des Double-Bass-Drum-Spiels. Nach den Swinging Sixties zog er nach Nigeria und spielte mit Nationalheld Fela Kuti. Mehrfach verlor er sein Vermögen infolge seiner Drogenabhängigkeit und kostspieliger Hobbys wie der Polopferde-Zucht. Große Beachtung fanden auch seine Drum Battles mit Jazz-Stars wie Elvin Jones und Art Blakey. Mittlerweile ist der ewig klamme Trommler mit seiner Ginger Baker Jazz Confusion wieder auf Tour.

Größter Moment: sein Solo ›Toad‹ auf FRESH CREAM (1966):

JOHN BONHAM
John Bonham

Vermutlich der wichtigste Schlagzeuger des Hard Rock, inzwischen gibt es einen nach ihm benannten Talentwettbewerb („Bonzo Bash“) sowie ein Rhythmus-Effektgerät namens „Bonhamizer“. Berühmt wurde sein druckvoller rechter Fuß auf dem Pedal der übergroßen Bass Drum, mit dem er auch Triolen hinlegte. Stets nutzte er die dicksten Trommelstöcke („trees“). Bereits im Alter von 5 hämmerte er auf Kartons und Dosen herum, die erste Snare Drum bekam er mit 10. Seine Vorbilder waren Max Roach, Gene Krupa und Buddy Rich. Bonham nahm nie Unterricht, holte aber die Ratschläge befreundeter Trommler ein. Im Alter von 15 spielte John Bonham bereits parallel in zwei Bands. Mit dem späteren Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant rockte er in der Band Of Joy und heuerte später bei Tim Rose an. Als Jimmy Page ihn mit Rose sah, wollte er ihn auf der Stelle engagieren. Es folgte ein heftiges Werben, dem Bonham am Ende nachgab. Sein früher Tod 1980 ließ Bonzo zum Mythos werden. Sohn Jason Bonham zeigt sich als höchst talentierter Erbe.

Größter Moment: Solo in ›Moby Dick‹ von LED ZEPPELIN II, bei dem er auch die bloßen Hände einsetzt:

BILL BRUFORD

Er zog die künstlerische Herausforderung dem Starruhm vor, Bill Bruford spielte in einigen berühmten Rockbands, um dann Richtung Fusion und Jazz weiterzuziehen. Fasziniert von Jazz-Trommlern begann er im Alter von 13, Unterricht zu nehmen. Seine erste größere Band war Savoy Brown, dann wechselte er zu Yes, mit denen er die entscheidenden Alben der 70er aufnahm. Bruford zog weiter zu King Crimson, war Tourtrommler bei Genesis, gründete 1978 die vielbeachtete Fusionband UK. Ende der 80er startete er mit Earthworks eine reine Jazzband. Er nahm Soloalben auf und ist aktuell in zahlreiche Projekte involviert. Auffällig am Stil der jüngeren Werke Brufords ist die scheinbare Mühelosigkeit, mit der er spielt, zudem nutzt er elektronische Elemente und Samples. Bruford ist höchst eloquent und veröffentlichte 2009 sein Buch: „The Autobiography“.

Größter Rockmoment: ›Perpetual Change‹ (vom Live-Album YESSONGS, 1973):

MATT CAMERON
Matt Cameron

Er zählt zu den vielseitigsten Trommlern des Alternative Rock, kein Geringerer als Trommel-Primus Neil Peart preist Camerons Vielschichtigkeit. Momentan ist er Mitglied bei Pearl Jam und Soundgarden, dazu war er immer offen für allerlei Projekte. So machte er beim legendären TEMPLE OF THE -Album (1991) mit, spielte auf dem allerersten Tonträger von Queens Of The Stone Age, hatte mit Hater und Wellwater Conspiracy eigene Seitenprojekte. Geboren in San Diego, spielte er anfangs in einer Kiss-Coverband. Als frühe Einflüsse nennt er Tony Williams, Keith Moon, Steve Gadd und Stewart Copeland. Paradiddles zählen zu seinen Spezialitäten. 1983 zog er nach Seattle, um für Skin Yard zu spielen, drei Jahre später stieg er bei Soundgarden ein, für die er auch Songs schrieb. Seit 1998 ist er bei Pearl Jam.

Größter Moment: ›Unemployable‹ (von PEARL JAM, 2006):

PHIL COLLINS
Phil Collins. Photo Credit: Lorenzo Agius.

Einer der wenigen Schlagzeuger, der als globaler Popstar mit einer Reihe von Hits Karriere machte. Kleingewachsen und kahlköpfig, ist er mit einer bemerkenswerten Stimme gesegnet – und natürlich mit großartigem Rhythmusgefühl. Collins begann seine Showbiz-Karriere als Kinderschauspieler und wurde 1970 als Trommler bei Genesis aufgenommen. Parallel hatte er seine Jazzrock Kapelle Brand X, mit der er sechs Alben einspielte. Buddy Rich und John Bonham zählen zu seinen Vorbildern, 1974 ersetzte er den ausgestiegenen Peter Gabriel am Mikro, nachdem Genesis ergebnislos 400 Sänger getestet hatten. Sein Ersatz an den Drums wurde der respektierte Chester Thompson. Nachdem Collins Genesis mit vereinfachtem Stil zu neuen kommerziellen Höhen geführt hatte, startete er seine Solokarriere und feierte mit ›In The Air Tonight‹ einen rhythmusbetonten Hit. 1996 formte er die Phil Collins Big Band und setzte sich ans Schlagzeug, um Jazzversionen von Genesis- und Solo-Hits aufzuführen.

Größter Moment: Sein Drum-Duett mit Chester Thompson auf der 1991er „We Can’t Walk“-Tour von Genesis:

  • Eddie Jobson

    Danke für die gelungene Zusammenstellung ! Nur Chris Slade wird ungern lesen, dass Phil Rudd immer noch bei ACDC trommelt… .

  • Jens Poenitsch

    Classic Rock? Queen? Roger Taylor? Ich weiß, sie hatten trotz immensen Erfolges immer die ernsthafte Kritiker-Arschkarte zwischen Zep und Beatles, hauptsächlich weil sie Mercury nicht abkonnten. Taylor war / ist jedoch zweifelsohne ein multitalentiertes Tier und als Drummer ein Virtuose.

  • Andreas Spieß

    What about Carl Palmer? Sein legendäres Solo der Welcome Back My Friends Show von 1974 (Karn Evil No.9) sagt alleine schon sehr viel aus. Oder Bernd „Nossi“ Noske von Birth Control, denke da z.B. an „The Terminator strikes back“. Auch Deutsche können (konnten) Schlagzeug

  • Massimo Realus

    Pink Floyds Drummer ist nicht auf der Liste… Hahaha.

  • Ralph-Michael Krum

    Max Weinberg von der E-Street Band? Liebe Autoren, ihr müsst wohl leider blind und taub sein. Schade!