Drive-By Truckers: Berlin, Lido

McClister_DBT_1048Southern Rock mit Sound-Sensibilität.

Dafür, dass sieben Jahre ins Land gezogen sind, seit die Drive-By Truckers zuletzt in Berlin Station gemacht haben, ist der Lido-Club erfreulich gut besucht. Ohne Vorband-Vorsorge geht die Truppe aus Georgia kurz vor 20.30 Uhr auf die Bühne und lässt die Gitarren sprechen. Während Mike „The Stroker Ace“ Cooley und Co-Leader Patterson Hood im Gitarren-/Gesangs-Front-Fokus stehen, sitzt John Neff als dritter im Klampfen-Bunde gelegentlich an der Steel Guitar. Über weite Strecken dominiert jedoch der heilige Dreiklang aus Telecaster, Gibson SG und Les Paul die Klanggewalt des Abends. Erste Erkenntnis ist daher: Die Drive-By Truckers sind live dröhnender unterwegs als auf ihren Alben – was den Sound-Schulterschluss von Lynyrd Skynyrd mit Neil Young und Country-Stones ja noch unterstreicht. Die Songs von THE BIG TO-DO wie ›The Fourth Night Of My Drinking‹ oder ›Drag The Lake Charlie‹ fügen sich bestens ins Repertoire ein, nur Bassistin Shonna Tucker säuft beim Gesang in ›(It’s Gonna Be) I Told You So‹ stimmlich etwas ab – sie schafft es nicht, sich gegen den erstaunlich klaren Lärmpegel durchzusetzen. Das war es aber auch schon an möglichen Kritikpunkten, denn je später der Abend, desto ausgelassener geben sich Gäste und Band. Keyboarder Jay Gonzalez ist kein hintergründiger Flächendecker, sondern verzückt mit Fender Rhodes-Tastenschlag und markerschütternden Hammond-Heulern, die Bar hat Hochbetrieb, und die tradierten Rock’n’Roll-, Country-, und Blues-Tonleitern tanzen Ringelrein im Raum. ›Let There Be Rock‹ vom Meisterwerk Southern Rock Opera treibt die Party im Zugabenteil auf die höchste Spitze – Applaus, dann Abschiedswehen. Doch es gibt Trost: Das nächste Album GO-GO BOOTS kommt schon im Februar auf den Markt – und die Band kehrt im Zuge dessen zurück nach Deutschland. Alles andere wäre nach solch einer atemberaubenden Rückkehr auch total inakzeptabel.