Die wahren 100 besten Alben der 70er (Platz 80-61)

Weiter geht es bei unseren wahren 100 besten Alben der 70er mit den Plätzen 80 bis 61. Dabei sind unter anderem Lou Reed, Heart, Sweet, Free und Boston.

80-ground80 SPLIT
Groundhogs
LIBERTY, 1971
Auf ihrem knarzigen, aggressiven und unglaublich originellen vierten Album sahen die Groundhogs den immer glattgeleckteren Weg, auf den die britische Blues-Szene Anfang der 70er eingebogen war, und rannten in die entgegengesetzte Richtung. Was zudem ihren Anführer und Gitarristen Tony McPhee als einen der radikalsten und experimentierfreudigsten Musiker seiner Zeit etablieren sollte. Thematisiert wurde hier dessen einzige – und wenig erfreuliche – Erfahrung mit Drogen, als er einen „besonders starken“ Joint nicht vertrug. Das Ergebnis war eine vierteilige Suite, die sich als revolutionär erwies: Mit teils selbstgebauten Instrumenten und Effektgeräten erzeugte McPhee immer seltsamere Geräusche, die sich von melodischem Folk-Blues bis zu einzigartiger Experimentalmusik erstreckten. Ein erstaunliches Werk, das dennoch Platz 5 der britischen Albumcharts erreichte.
Matthias Jost

Zeitzeugen:
„Wahrscheinlich das Interessanteste, musikalisch wie textlich, was die Band bislang abgeliefert hat.“
NME

79-sweet79 DESOLATION BOULEVARD
Sweet
RCA, 1974
Bevor sie ihr Schicksal den Songwritern und Hitfabrikanten Chinn und Chapman entrissen, wa­­ren Sweet noch als Lieferanten von Bubblegum-Pop-Singles bekannt. Mit ›Sweet Fanny Adams‹ wurden sie zu einer richtigen Hardrockband, die gegen jeden der seriöseren Namen jener Zeit bestehen konnte.
Dave Ling

Zeitzeugen:
„Sweet hatten mit diesem Album viel zu verlieren. Wäre es ein Flop geworden, hätten sie äußerst dumm ausgesehen, doch dazu ist es nicht gekommen.“
Disc

78-flamin78 TEENAGE HEAD
Flamin‘ Groovies
KAMA SUTRA, 1971
Mit einer ähnlichen Dynamik wie STICKY FINGERS von den Stones aus dem selben Jahr legten sich die Groovies aus San Francisco mit der „Besten Rock‘n‘Roll-Band der Welt“ auf dem Zenit ihres Könnens an – und machten laut Mick Jagger die bessere Platte.
Ian Fortnum

Zeitzeugen:
„Das beste amerikanische Album, das ich dieses Jahr gehört habe, aber noch bemerkenswerter ist, dass TEENAGE HEAD nah daran kommt, das beste Hardrock-Album einer amerikanischen Rockband überhaupt zu sein.“
The Rag

77-foghat77 LIVE
Foghat
BEARSVILLE, 1977
Ein frühes Beispiel für das Phänomen, das als „groß in den Staaten, zuhause unbedeutend“ be­­kannt wurde. Foghat gründeten sich 1970 in London nach der Auflösung von Savoy Brown mit einigen derer Mitglieder, doch es war das Amerika der Arbeiterklasse, das ihren hochintensiven Boogie-Rock feierte, angetrieben von Rod Price an der Slide-Gitarre – einer der furiosesten, die man je gehört hatte.
Dave Ling

Zeitzeugen:
„Dieses Album ist so frech, dass es Kiss wie eine Folkband klingen lässt.“
Circus

76-steeleye76 PARCEL OF ROGUES
Steeleye Span
CHRYSALIS, 1973
Nach dem Ausstieg der Folkhelden Martin Carthy und Ashley Hutchings (Fairport Convention) unterschrieben Steeleye Span aufgrund seiner Erfolge mit Pentangle und Ralph McTell bei Manager Jo Lustig. Ihr zweites Album unter seiner Ägide verband traditionelle Songs mit einem Motiv aus Robert Louis Stevensons Abenteuerroman „Entführt“ und drehte dabei das Rockelement deutlich auf. Ein Richtungswechsel, der sich für die Zukunft der Band als Geniestreich erweisen sollte.
Jo Kendall

Zeitzeugen:
„Alte Songs, die so aufregend unter Strom stehen, dass sie zu platzen drohen.“
NME

75-cars75 THE CARS
The Cars
ELEKTRA, 1978
Mit seiner Kombination aus Synthies und Gitarren war das Debüt der Cars so ziemlich die Blaupause für den New-Wave-Sound der USA. Die glatte Produktion tat ihr Übriges und brannte wie Eis auf den Hits ›My Best Friend‘s Girl‹ und ›Just What I Needed‹.
Chris Roberts

Zeitzeugen:
„Die trendigen Wangenknochen und etwas synthetische, saubere, „Alles-schon-erlebt“-Pose einer Gruppe, die es bis ganz nach oben schaffen könnte. Oder hier stecken bleibt.“
NME

74-vander74 H TO HE, WHO AM THE ONLY ONE
Van Der Graaf Generator
CHARISMA, 1970
Diese Songs drehten sich um das Thema Isolation, und die Musik spiegelte dieses Gefühl ebenfalls wider. Wie schon auf ihren Vorgängerwerken gingen VDGG hier fast perverse künstlerische Risiken ein und wurden dafür mit schwachen Verkäufen und gemischten Kritiken belohnt. Doch über die Jahre ist ihr Status in der Prog-Szene stets gewachsen.
Malcolm Dome

Zeitzeugen:
„Van Der Graaf Generator sollten eine der Gruppen mit den größten Erfolgschancen 1971 sein.“
Record Mirror

73-wishbone73 ARGUS
Wishbone Ash
DECCA, 1972
Ende 1972 war es nicht Deep Purples MACHINE HEAD, VOL. 4 von Black Sab­bath oder David Bowies ZIGGY STARDUST, das an der Spitze des „Sounds“-Leserpolls stand, sondern ARGUS von Wishbone Ash. Diese faszinierende, melodische Mixtur aus Heavy-Rock, Prog und Folk begeisterte mit einer cleveren Doppel-Leadgitarre, die für ihre Zeit bahnbrechend war, und steckte voller englischem Mystizismus. Die Atmosphäre wurde noch unterstrichen von dem rätselhaften Wächter auf dem von Hipgnosis entworfenen Cover, auch wenn das Bild tatsächlich in der Provence entstanden war.
Geoff Barton

Zeitzeugen:
„Die Songs auf ARGUS haben Ähnlichkeiten mit The Who, Traffic, den Beatles und Yes und stecken voller Energie und einfach guter Gefühle.“
Rolling Stone

72-boston72 DON‘T LOOK BACK
Boston
EPIC, 1978
DON‘T LOOK BACK wurde nach der Flutwelle des Lobs für das Multiplatin-Debüt unfairerweise übergangen, doch es war weit mehr als nur ein platter Abklatsch davon. Gitarrist und Mastermind Tom Scholz jammerte zwar später darüber, dass er zur Fertigstellung gedrängt wurde (trotz 1.000 Stunden im Studio), doch das Ergebnis erreichte trotzdem Platz 1 der US-Charts – im Gegensatz zu seinem Vorgänger.
Dave Ling

Zeitzeugen:
„DON‘T LOOK BACK ist keine Abkehr von, sondern eine Festigung des Sounds, den Boston auf ihrem umwerfenden ersten Album eingeführt haben.“
Rolling Stone

71-chicago71 CHICAGO II
Chicago
COLUMBIA, 1970
Zunächst als Chicago Transit Authority bekannt, strich der 14-beinige Ko­­loss die Verkehrsbetriebe aus seinem Namen und fuhr fort mit diesem kraftvollen Doppelalbum, das Free-Jazz, hüftwackelnden R&B und eine sechsteilige Suite à la ABBEY ROAD beinhaltete. Der knackige Rocktrack ›25 Or 6 To 4‹ ist über die Zeit hinter die Sofakissen gerutscht, während die Band zu Softrock-Titanen mutierte, doch er erinnert an die rohe Live-Power dieser Herren.
Jo Kendall

Zeitzeugen:
„Jedes Stück entwickelt sich in praktisch unbekanntes Terrain … Basie mit der Mehrheitsfähigkeit eines Cole Porter.“
Disc

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