Die 50 besten Alben 2017: Platz 10-6

Black Country Communion 2017So ein Jahr ist doch immer wieder ungreifbar schnell an einem vorbeigezogen. Damit bei den unzähligen Geschehnissen dieser schnelllebigen Zeit wenigstens ein musikalischer Eindruck in unserem Bewusstsein zu verbleiben vermag, hat sich die CLASSIC ROCK-Redaktion noch einmal der vielen hundert Veröffentlichungen der vergangenen 365 Tage angenommen, um deren 50 herausragende Vertreter zu küren. Hier sind die Plätze zehn bis sechs…


10 Roger Waters
IS THIS THE LIFE WE REALLY WANT?
Columbia/Sony
Roger Waters blickt 2017 tief ins Innere des Menschen und weit über den gesamten Globus hinaus, seine Aussichten dabei sind allesamt finster. Dieses, sein Resümee über den Ist-Zustand der Menschheit und ihrer Heimat Erde vertonte der ehemalige Pink-Floyd-Co.-Chef in den vergangenen zweieinhalb Jahren in Form eines halb düsteren, halb gleißend leuchtenden Albums, das sich und uns die alles entscheidende Existenzfrage stellt. Der Zeitpunkt für diese zwölf durch Tondokumentschnipsel und Soundeffekte verbundenen, inhaltlich und stellenweise auch kompositorisch zu einem Konzept-Opus verwobenen Songs könnte nicht passender gewählt sein. Seit seinem Solo-Vorgänger AMUSED TO DEATH von 1992 hatte sich Waters lange Zeit gelassen und stößt jetzt genau richtig mit IS THIS THE LIFE WE REALLY WANT? in die Wunde einer gesellschaftlichen Krankheit, deren Symptome den Höhepunkt ihrer Ausprägung erreicht zu haben scheinen. Der Macht der Dummheit und der galoppierenden Verrohung setzt Waters seine mächtigste musikalische Waffe entgegen: Mit allerhand Stilmitteln aus der weitläufig beliebtesten Pink-Floyd-Phase von THE DARK SIDE OF THE MOON, über WISH YOU WERE HERE zu ANIMALS scheint Waters mit aller Kraft ein Maximum an Zuhörerschaft generieren zu wollen, wodurch letztlich ein wie aus der Zeit gerissenes Album entstand, das ebenso gut der direkte Nachfolger obengenannter Meisterwerke sein könnte. Neben altbeliebtem Orgel- und Synth-Gewaber, einem sehr direkt abgenommenen Drumset und einem sentimentalen Piano versieht Waters seine deprimierten Sprech- bis wütenden Brüll-Parts mit einem (Akustik-)Gitarren-Sound, der einen sogar den abwesenden David Gilmour zurück vermuten lässt. Perfektes Neumaterial also, das Roger Waters bei seinen acht Deutschland- und Österreich-Shows im Rahmen seiner „Us + Them“-(Anti-Trump-)Tour im kommenden Frühsommer in die Setlist zwischen Klassikern wie ›Breathe‹, ›Time‹, ›Welcome To The Machine‹, ›Pigs (Three Different Ones)‹ und ›Wish You Were Here‹ einflechten kann.
Anspieltipp: ›Smell The Roses‹, ›Wait For Her, ­›Oceans Apart‹, ›Part Of Me Died‹
(Paul Schmitz)


9 Mark Lanegan Band
GARGOYLE
Pias/Rough Trade
Narrenfreiheit ist ein rares Gut, und eines, das weise genutzt werden will. Man kann sie nämlich auch wieder aberkannt bekommen. Mark Lanegan läuft derzeit jedoch keine Gefahr, diesen Status zu verlieren. Der Mann, der mit Lava zu gurgeln scheint, kann sich immer noch alles erlauben – auch ein Album aus fast ätherischem Psycho-Wave-Rock, das den messianischen Hall von U2 in ein ungleich faszinierendes, mystisches Gewand packt und dabei trotzdem nicht die Songs vergisst. Einzigartig.
Anspieltipp: ›Beehive‹


8 The Magpie Salute
THE MAGPIE SALUTE
Eagle Rock/Universal
Wenn zwei sich streiten … kann es durchaus eine Menge Gewinner geben. Rockfans zum Beispiel. Okay, weder Chris Robinson noch sein Bruder Rich haben es bisher geschafft, ihre Großtaten mit den Black Crowes solo zu überbieten. Feine Musik haben sie aber beide seit dem Ende der Band gemacht. The Magpie Salute sind das neue Baby von Rich, und die haben eine Ode an die Warmherzigkeit des klassischen Südstaatenrock vollbracht, die mal packt, mal entrückt und immer verzückt. Herrlich!
Anspieltipp: ›Wiser Time‹


7 Chuck Berry
CHUCK
Decca/Universal
Als wäre es das eine, das er noch erledigen musste, schaffte es Berry noch vor seinem Tod im März, seinen musikalischen Ab­­schied, sein erstes Album mit Eigenmaterial seit 1979 für die Nachwelt festzuhalten. Dem Stand des „wahren Vaters des Rock’n’Rolls“ durch und durch würdig – und stimmlich wie spielerisch in herausragender Frische für 90 Legendenjahre auf dem Buckel – packt, reizt, betört uns Chuck ein letztes Mal. Ruhe in Frieden!
Anspieltipp: ›Big Boys‹


6 Blondie
POLLINATOR
BMG Rights
Zu viele Köche verderben den Brei? Hier nicht! Dev Hynes, David Sitek (TVOTR), Johnny Marr, Nick Valensi (The Strokes) und mehr nahmen am neuen Blondie-Album hörbar aus Liebe teil. Wir hören gewitzte ›Heart Of Glass‹/›Hanging On The Telephone‹-Varianten, die nun ›Long Time‹ oder ›Monster‹ heißen. Für den Hörer eine spaßige Referenz-Schnitzeljagd und ein Jungbrunnen für Debbie Harry, Chris Stein & Co.
Anspieltipp: ›Long Time‹

Hier nochmal die Plätze 11-20 sehen…