David Crosby im Interview: Ein glücklicher Kerl

david crosby 2017Mit Mitte 70 ist der Folkrock-Pionier so produktiv wie selten zuvor, SKY TRAILS ist sein drittes Soloalbum in vier Jahren. Im Gespräch erklärt David Crosby, warum dem so ist. Dazu nennt er Donald Trump ein „Arschloch“, schwärmt von den Vorzügen der Teamarbeit und erklärt, warum sich das Ende von Crosby, Stills & Nash anfühlte, „wie frische Luft zu atmen“.

Viele der Songs auf deinem neuen Album SKY TRAILS hast du mit deinem Sohn ­Ja­­mes Raymond aufgenommen. Wie kann man sich die Zusammenarbeit vorstellen?
Wir schreiben zusammen an Texten und Mu­­sik. Und wir arbeiten auf die unterschiedlichste Art und Weise, wie es eben möglich ist. Manchmal sind wir im selben Raum, manchmal tauschen wir uns über das Internet aus. Er ist ein wundervoller Songwriter und ein exzellenter Produzent. Und er wird immer besser.

Gibt es Sachen, in denen er dir vielleicht sogar voraus ist?
Ja klar. Sein Instrument ist das Keyboard und er ist ein viel besserer Musiker als ich. Ich bin gut, er ist besser.

Teamarbeit war schon immer Teil deiner Kar­­riere, ob mit den Byrds, mit Crosby Stills & Nash (& Young) oder jetzt mit deinem Sohn. Was ist besser daran, mit anderen zusammen Musik zu machen als alleine?
Stell dir vor, du bist ein Maler und hast eine Palette an Farben zur Auswahl, vielleicht sieben oder acht. Wenn du gemeinsam mit jemand anderem arbeitest, sind es auf einmal 15 oder 16 Farben. Denn der andere denkt immer an etwas, an das du nicht ge­­dacht hättest, das erweitert die Möglichkeiten. Am meisten schreibe ich mit meinem Sohn, außerdem mache ich viel mit Michael League von Snarky Puppy, das LIGHTHOUSE-Album ist zusammen mit ihm entstanden. Auf dem Titellied der neuen Platte ist Songwriterin Becca Stevens zu hören, bei einem anderen Stück war Michael McDonald involviert, eines habe ich mit meiner Bassistin Mai Agan geschrieben. Also ja: Ich arbeite gern mit anderen, aber es ist mir sehr wichtig, mit wem.

Wie steht es mit deinen alten Bandkollegen Stephen Stills, Graham Nash und Neil Young. Seht ihr euch noch manchmal?
Wir haben heute nicht wirklich eine Beziehung zueinander.

Du könntest dir also nicht vorstellen, wieder etwas mit ihnen gemeinsam zu machen, vielleicht in eine politische Richtung zu gehen wie bei der „Freedom Of Speech“-Tour von CSNY vor gut zehn Jahren?
Doch, könnte ich. Man soll niemals nie sagen. Aber es hängt von Neil Young ab.

Meinst du, er wäre dabei?
Ich weiß es nicht, ich bin nicht er.

Der politischste Song auf SKY TRAILS ist ›Capitol‹. Darin heißt es etwa: „For the po­­wer they came/For the power they stay“. Du scheinst kein Fan der aktuell regierenden US-Politiker zu sein.
Es ist furchtbar. Unser Kongress ist grauenvoll, weder repräsentiert er die Leute, die ihn ge­­wählt haben, noch macht er seinen Job. Die Zustimmungsraten sind so niedrig wie nie zu­­vor. Und um alles noch schlimmer zu machen, haben wir einen verrückten, schwachsinnigen Kerl als Präsidenten. Er ist ein Kleinkind, ein rachsüchtiges, gemeines, rassistisches und sexistisches Kleinkind. Es war so unverschämt, als er Angela Merkel getroffen hat und ihr nicht einmal die Hand geben wollte. Er ist eine peinliche Person, er ist ein Arschloch.

Welche Hoffnung gibt es für die Zukunft?
Trump wird sich nicht ändern, keine Chance, dass er je erwachsen wird. Aber ich denke, wenn wir hart arbeiten, können wir das meiste von dem wiedergutmachen, was er anstellt.

Glaubst du, er wird lange Präsident bleiben?
Das weiß ich nicht. Er hofft es sicher, aber wir anderen versuchen alles, ihn da wieder wegzubringen.

Die Musikwelt steht fast geschlossen gegen Trump. Welchen Einfluss kann Musik heute auf Gesellschaft und Politik haben? Kann sie irgendetwas verändern?
Ja, sie ist gut darin, Ideen zu übermitteln, das macht sie zu einer sehr einflussreichen Kraft. Was ich hoffe, ist, dass wir wieder Songs wie ›Ohio‹ schaffen und die Leute so dazu inspirieren können, Widerstand zu leisten und unser Land anständiger zu machen.