Das letzte Wort: Tony Iommi

Tony IommyDer Tod seines Heaven & Hell-Freundes Ronnie James Dio hat den Gitarristen schwer getroffen. Daher empfiehlt die Black Sabbath-Legende jedem, das Leben in vollen Zügen auszukosten.

Er heißt Frank Anthony Iommi, aber alle kennen ihn nur unter seinem Spitznamen Tony. Der 62-Jährige ist eine Legende. Kein anderer Gitarrist hat harte Rockmusik so nachhaltig geprägt wie das Gründungsmitglied von Black Sabbath. Eine Leistung, die umso bemerkenswerter ist, wenn man weiß, dass Iommi im Alter von 17 Jahren bei einem Unfall zwei Fingerkuppen an seiner rechten Hand verloren hat.

Doch der Brite ließ sich davon nicht unterkriegen – im Gegenteil, er arbeitete noch härter an seiner Technik. Durchgebissen hat er sich auch, als es darum ging, Black Sabbath am Leben zu erhalten. Er trug Entscheidungen wie den Rauswurf von Ozzy Osbourne Ende der Siebziger mit, war aber auch bereit, es wieder mit dem Madman zu versuchen. In den vergangenen Jahren hat es ihm jedoch weitaus mehr Freude bereitet, mit Ronnie James Dio die Bühne zu teilen, und so war Iommi auch sichtlich ergriffen, als er jüngst beim Heaven & Hell-Abschiedsgig zu Ehren des verstorbenen Frontmanns auf der Bühne Abschied von seinem Freund nahm.

Doch nun blickt er wieder nach vorn: Der Rechtsstreit um den Namen Black Sabbath ist beilegt, und es scheint, als stünde einer erneuten Black Sabbath-Reunion mit Osbourne am Mikro weniger im Wege, als man noch vor einigen Monaten gedacht hätte – Dios Tod hat alle Beteiligten versöhnlich gestimmt.

Tony, glaubst du an Gott?
Ich glaube daran, dass es etwas Göttliches gibt. Ich bin Katholik, gehe aber nicht in die Kirche. Dort war ich nur ein einziges Mal, und zwar als Jugendlicher. Der Grund dafür war, dass ich den Pfadfindern beigetreten bin und deshalb dort antreten musste.

Es soll Leute geben, die denken, dass du böse bist. Ist das die schlimmste Fehleinschätzung, die über sich als Person kursiert?
Nun, ich denke schon. Zumindest habe ich schon ein paar Mal gehört, dass es wirklich Menschen gibt, die das von mir glauben. Ich weiß zumindest mit Sicherheit, dass etliche Leute Angst vor uns hatten, als wir das erste Mal mit Black Sabbath durch die USA getourt sind. Einige dachten, dass wir sie in Frösche verwandeln würden. Das war schon ziemlich merkwürdig… Ich konnte es selbst kaum glauben, aber es gab Menschen, die wirklich panisch wurden, als sie uns sahen.

Gibt es in deinem Schrank eigentlich irgendein Kleidungsstück, das nicht schwarz ist?
Ja, gibt es. Sogar einige. Aber nicht viele, zugegeben. Ich besitze einige weiße Shirts, die ich unterm Pullover trage. Einem schwarzen Pullover, wohlgemerkt.

Du hast etliche Drogen ausprobiert. Welche war für dich die beste und welche die schlimmste?
Die beste? Kokain. Die schlimmste war eindeutig LSD. Ich hasse es, wenn ich die Kontrolle über mich und meinen Körper verliere. Nach dem Koksen hatte ich nie das Gefühl, dass sich meine Persönlichkeit verändert. Ich wusste immer, was um mich herum abgeht. Aber bei einem Trip war das eine ganz andere Sache… Ich erinnere mich speziell an eine Situation Anfang der Siebziger. Wir tourten gerade in den Staaten, und ich bekam tierische Kopfschmerzen. Ein Mädchen sagte, dass sie Tabletten dagegen dabei hätte. Stattdessen gab sie mir Acid. Verdammte Axt, ich wusste gar nicht mehr, wie mir geschah! Zum Glück tauchte kurz darauf der Rest der Band wieder auf und beruhigte mich nach und nach. Ich war kurz davor, aus dem Fenster zu springen!

Bist du denn wenigstens deine Kopfschmerzen los geworden?
Allerdings, denn in dem Moment waren sie mir so was von egal! Dafür fielen sie am nächsten Tag umso schlimmer aus…

Bereust du irgendetwas, das du in deinem Leben verbockt hast?
Nun, ich wünschte, ich hätte mir meine Fingerkuppen nicht abgesäbelt. Die Sache hat mich schon sehr belastet. Es gibt zwar immer wieder Leute, die sagen, dass ich ohne den Unfall wohl ganz anders spielen würde und nie einen so speziellen Sound entwickelt hätte, aber ich bin mir da nicht so sicher. Aber das Jammern darüber hilft ohnehin nichts. Ich musste lernen, damit zu leben. Und natürlich behindert es mich beim Spielen. Ich habe kein Gefühl in den Fingern, kann die Saiten nicht richtig spüren. Außerdem ist es für mich unmöglich, bestimmte Akkorde anzuschlagen. Aber inzwischen funktioniert das alles ganz gut. Unmittelbar nach der Verletzung sah es aber nicht danach aus: Die Ärzte sagten, dass ich wohl nie wieder Gitarren spielen würde. Doch ich habe nie den Glauben daran verloren, und deshalb ist es mir wohl auch gelungen, mich zurückzukämpfen.

Wann hattest du einen Tiefpunkt in deiner Karriere als Musiker?
Definitiv Mitte der Achtziger, nachdem Ronnie die Band verlassen hatte und wir mit Ian Gillan BORN AGAIN aufnahmen. Damals spielte niemand mehr bei Black Sabbath, mit dem ich befreundet war. Geezer fehlte mir, ebenso Ozzy, Bill und Ronnie. Ich musste wieder komplett von vorne anfangen. Allerdings war ich nie so weit, dass ich ernsthaft ans Aufhören dachte.

Was ist dein Erfolgsgeheimnis?
Ich glaube an das, was ich tue. Die Meinung anderer Leute hat mich noch nie sonderlich interessiert. Das Wichtigste ist, sich nicht vom Weg abbringen zu lassen.

Was ist deiner Meinung nach der Sinn des Lebens?
Schwierige Frage. Ich habe keine Ahnung. Aber so wie es momentan um die Welt steht, würde ich jedem raten, das Leben in vollen Zügen zu genießen.