Das letzte Wort: Steve Hackett

Steve Hackett über das Heilen, teure Laser und Tee.

Steve Hackett hat ziemlich viel in seine 65 Jahre gepackt. Er ist zum dritten Mal verheiratet und gehört dank einer Karriere, die in den späten 60ern begann, zu den einflussreichsten Figuren im Progressive Rock. Der gebürtige Londoner war von 1970 bis 1977 Gitarrist bei Genesis und auf bahnbrechenden Alben wie FOXTROT und THE LAMB LIES DOWN ON BROADWAY zu hören. Als Solokünstler hat er 27 Alben experimenteller Musik aufgenommen – und bezeichnet sein neuestes, WOLFLIGHT, als „eine Reise voller Überraschungen und Hinterhalte“. Hackett ist die Quintessenz des englischen Gentleman-Rockstars: Während er über seine Arbeit, sein Leben und den Sinn von allem spricht, trinkt er Tee – mit Milch und einem Stück Zucker…

Was ist überraschend an Ihrem neuen Album?
Seine schiere Verwegenheit. Es deckt das ganze Spektrum von Folk über Klassik zu Pop und Rock ab. Verschiedene Stile zu kombinieren, war schon immer mein Markenzeichen.

WOLFLIGHT – was genau bedeutet das?
Das ist die Stunde vor dem Morgengrauen, wenn Wölfe jagen. Sie ist unheimlicher als Abenddämmerung. Ich bin um 5 Uhr morgens schon auf und arbeite an meiner Musik.

Wenn Sie so früh aufstehen, kriegen Sie dann Ärger mit Ihrer Frau, wenn Sie sie aufwecken?
Nein, sie ist sehr verständnisvoll. Ich taumle aus dem Bett und in den nächsten Traum hinein. Die Logik ist zu dem Zeitpunkt noch nicht angekommen. Das ist eine magische Zeit. Leute mit übersinnlicher Veranlagung würden wohl sagen, dass man dann kanalisiert, und es scheint tatsächlich so, als würden allerlei unwahrscheinliche Dinge passieren, wenn ich offen dafür bin.

Haben Sie diese übersinnliche Veranlagung?
Ich habe mich mal mit diesen Dingen beschäftigt, aber ich hatte meine Bedenken, eine Art von Guru zu haben. Glaube ich an sowas? Glaube ich an andere Realitäten? Bin ich in dieser Hinsicht immer noch ein Hippie? Absolut, ja. Aber ich gehöre zu keinem Stamm. Ich bin mein eigener Stamm.

Glauben Sie an Gott?
Ich finde, Lennon sagte es am besten: „Wenn so etwas wie ein Gott existiert, sind wir alle Teil davon“.

Wenn Sie kein Musiker wären, was dann?
Ein gescheiterter Stricher.

Diese Antwort habe ich definitiv nicht erwartet.
Nein, ich dachte, das würde ich mal so rauslassen für einen Lacher. Ich habe in vielem versagt. Nach der Schule wurde ich aus ein Paar Jobs gefeuert – ich habe für einen Anwalt gearbeitet, einen Gutachter, in einer Fabrik…

Was kann Steve Hackett, das niemand sonst kann?
Ich bin nicht sehr praktisch veranlagt. Ich könnte keinen Schuppen bauen, der stehen bleiben würde. Aber ich kann jeden Tag über mich selbst lachen. Das ist das Gesündeste, was man tun kann – jeden Tag lachen.

Sie können Gitarre spielen. Was macht einen guten Gitarristen aus?
Man muss es lieben. Manchmal wird man enttäuscht sein, Krisenmomente in seinem eigenen Spiel erleben, wenn man das Gefühl hat, sich nicht weiterzuentwickeln. Wir leiden alle an diesen Grenzen. Aber die Liebe dazu muss nie vergehen.

Haben Sie viele Drogen genommen?
Ich war ganz gut dabei. Aber ich hatte Freunde, die ihnen zum Opfer gefallen sind. Das war eine Lektion, zu sehen, wie Menschen schizophren wurden und kaputt gingen.

Gab es eine schlechte Erfahrung, die Sie zum Aufhören gebracht hat?
Ich nahm auf einer Party Kokain. Ich weiß nicht, ob es mit Heroin versetzt war, aber ich konnte spüren, dass ich fast einen Herzinfarkt hatte. Ich fasste den Beschluss, nie wieder irgendwas in meine Nase zu tun, das stärker als Erkältungstropfen ist. Ich war nie nach irgendetwas süchtig gewesen, außer Tee. Die Nazis hätten mich foltern können, nur indem sie mir meinen Tee weggenommen hätten.

Wo stehen Sie politisch?
Ich habe alle drei großen Parteien gewählt, aber heutzutage wähle ich links, denn es geht zu vielen Leuten schlecht in diesem Land.

Was war Ihre größte Geldverschwendung?
Es gab da diesen Laser, in den Genesis investierten. Er kostete 120.000 Pfund, und dann funktionierte er nicht.

Was war der Tiefpunkt Ihrer Karriere?
Als ich Genesis verließ, hatte ich ein paar Hitsingles, aber sie eroberten die Welt und ich konnte nicht mal ansatzweise mithalten. Aber mir wurde klar, dass ich einen Grund hatte, aus einer erfolgreichen Band auszusteigen. Es bedeutete, dass ich niemandem mehr verpflichtet war – außer mir selbst.

Was war die schlimmste Kritik, die Sie je einstecken mussten?
Ich habe viele gute Kritiken bekommen, aber man erinnert sich immer an die schlechten. Über [das 1979er Soloalbum] SPECTRAL MORNINGS schrieb jemand: „Niemand hört sich noch solchen Mist an“.

Was bereuen Sie am meisten?
Ich bin ich ein Heiler und wünsche mir, ich wäre besser darin.

Welche Art von Heilen praktizieren Sie?
Es geht darum, was in der Welt des Unsichtbaren passiert. Da gibt es soviel, was wir nicht wissen. Manche Menschen haben die Fähigkeit, zu heilen. Meistens sind die Leute sehr skeptisch, deswegen dränge ich es niemandem auf. Wenn irgendjemand will, dass ich helfe, werde ich das auch tun. Ich wurde auch schon geheilt. Je älter man wird, desto mehr Freunde verliert man, und Leute mit Krankheiten im Endstadium haben meine Hilfe abgelehnt – weil sie nicht von ihrem Arzt kam. Aber wäre ich an ihrer Stelle, würde ich alles versuchen.

Was ist der Sinn des Lebens?
Eine tolle Zeit zu haben und dafür zu sorgen, dass andere sie auch haben. So viele Tassen wie möglich zu trinken, ohne dass einem die Blase platzt.

Was wird auf Ihrem Grabstein stehen?
See you on the other side.