Review: The Dandy Warhols – DISTORTLAND

Dandy WarholsAnti-Pop vom subversiven Portland-Vierer.

Ich schätze den Die-Hard-Fankreis der Dandy Warhols in Deutschland auf knapp hundert Leute. Entgegen aller journalistischen Neutralitätspflicht oute ich mich aber als Zirkelmitglied, besitze ihr schwer erhältliches schwarzes Album, diverse coole Shirts und seltene australische Single-Versionen. Und ich fresse alles, egal was für einen musikalischen Bullshit sie gerade wieder als Album getarnt veröffentlichen. Und genau das ist der Punkt. Sie sind erstens sture musikalische Anarchisten, die aber meines Erachtens in der Lage sind, eingängige Charthits aus dem Ärmel zu schütteln. Sie tun aber gerade das seit ihrem Welthit ›Bohemian Like You‹ nicht, sondern lassen ihren kompositorischen Genius immer nur leicht durchschimmern. Die flotten Tracks ›Pope Reverent Jim‹ und ›You Are Killing Me‹ auf der neuen Scheibe sind da ein gutes Beispiel. Ansonsten klauen sie nach wie vor wie die Raben, entweder bei sich selbst oder aktuell beim Klassiker ›Crimson And Glover‹. Wer Koordinaten für ihren Stil braucht: Melancholie-Beischlafsoundtrack oder Slowsoft-Indiepop. Überhaupt: Wer Rea Garvey auf offener Bühne ins Ohr beißt, ist einfach Gott. Und falls jemand bei der nächsten THC-Session die passende Untermalung braucht, ist mit ihren Alben ebenfalls gut bedient. Für mich sind sie immer noch der kleine arschcoole, wertvolle Schatz, auf den garantiert keiner steht. Also wunderbar zum Abgrenzen oder Klugscheißen geeignet. Wer in ihr Universum eintauchen möchte: Kauft Euch die Doku-DVD DIG.

The Dandy Warhols
DISTORTLAND
DINE ALONE/CAROLINE
6/10

  • Christian Gintzel

    Wunderbare Rezension! Hätte von mir sein können. Jetzt müssen wir noch die anderen 98 finden, Ewald :-).