Black Stone Cherry

BSC__9442_JL_EDIT_LRBlick zum Horizont

Aller guten Dinge sind drei. Mit ihrem Drittwerk BETWEEN THE DEVIL AND THE DEEP BLUE SEA wollen Black Stone Cherry nicht nur den Sprung nach ganz oben schaffen, sondern auch einigen Seelenballast loswerden, der sich in den vergangenen Monaten angesammelt hat.

Manche Fans wollen immer auf dem Laufenden sein, was ihre Idole angeht. Black Stone Cherry machen sich das zu Nutze. Sie verpacken daher auch auf ihrem neuen Album viel Persönliches in ihren Texten. Das hat zwei Vorteile. Erstens: Sie werden nicht gestalkt, schließlich sind eh alle Infos öffentlich. Und zweitens: Sie können negative Erfahrungen direkt aufarbeiten.

So ist z.B. der überlange Titel eine Anspielung auf vergangene Widrigkeiten – entlehnt aus der Seefahrer-Sprache. Bei Segelschiffen wird nämlich die Fuge zwischen zwei Planken der Außenhaut als „Devil“ bezeichnet. Wenn ein Matrose Reparaturen an dieser Stelle durchführen musste, befand er sich in einer gefährlichen Lage, um die ihn kein Kollege beneidete. „Als unser Gitarrist Ben Wells diesen Spruch zitierte, traf das bei uns allen einen Nerv“, berichtet Sänger und Gitarrist Chris Robertson. „Denn auch wir mussten im vergangenen Jahr vieles machen, das uns gar nicht passte.“ Zudem birgt dieser Satz das Dilemma, die Wahl zwischen zwei Alternativen zu haben, die beide nicht unbedingt vorteilhaft sind. Auch das kennt die Band zur Genüge. So freuten sich Chris, Ben, John-Fred Young (Drums) und Jon Lawhon (Bass) nach etlichen Monaten eigentlich darauf, wieder mehr Zeit mit ihren Lieben verbringen zu können. Doch funktioniert hat das nur bedingt „Es war zwar schön, wieder zu Hause zu sein. Aber eben auch ungewohnt. Zudem hatten wir nicht richtig frei, sondern absolvierten auch immer wieder einige Gigs in den Staaten. Das führte dazu, dass wir hin- und hergerissen waren zwischen den beiden Dingen, die wir am meisten lieben“, ergänzt Schlagzeuger Young.

Doch wer glaubt, das neue Album wäre eine Sammlung melancholischer Trauermärsche, irrt gewaltig. Bereits die erste Single ›White Trash Millionaire‹ zeigt, dass es für Black Stone Cherry kein Problem darstellt, komplexere Themen appetitlich zu verpacken. In besagtem Stück spiegelt sich nämlich ein Teil ihrer Lebensphilosophie wieder, wie John-Fred verrät: „Es geht darum, mit dem zufrieden zu sein, was man hat. Und in diesem Zusammenhang geht es uns auch darum, die Kultur der Südstaaten in ein positiveres Licht zu rücken. Denn aufgrund ihrer dunklen Vergangenheit wird sie von vielen zu Unrecht verurteilt.“ Ganz so ernsthaft, wie der Trommler das ausformuliert, ist der Song aber nicht gedacht, wie Chris relativierend hinzufügt: „Im Kern ist das Stück dennoch ein Sommerlied, das schlicht Spaß macht.“

Eine Gratwanderung, die nicht allen Bands gelingt. Doch die vier Kentuckians sind mutig – sie wagen den Balanceact auf ihrer dritten Scheibe gleich mehrmals. So hätte auch ›Can’t You See‹, ein Cover der Marshall Tucker Band, durchaus in die Hose gehen können. Doch Angst vor einem möglichen Versagen hatten Black Stone Cherry nicht – schließlich ist der Song bereits des Öfteren in ihrem Live-Repertoire gewesen. Auf Initiative ihres Labels hin trauten sie sich nun auch an eine Studioversion heran. „Wir steckten gerade mitten im Songwriting-Prozess, als diese Idee aufkam“, erinnert sich Young. „Also probierten wir ein bisschen rum. Die erste Variante klang beinahe wie das Original, aber letztlich wollten wir das Ganze ein bisschen härter haben.“ Härter ist zwar nicht zwangsläufig besser, aber im Fall von Black Stone Cherry gilt hier die Ausnahme von der Regel. Die Version behält die Seele des Originals, verleiht ihr aber zugleich mehr Kraft. Zudem fügt sich der Track so besser ins Gesamtbild von BETWEEN THE DEVIL AND THE DEEP BLUE SEA ein – denn alle Songs klingen jung und frisch.

Eine Tatsache, die auch Chris Robertson gefällt: „Nach dieser Platte würde es mich nicht einmal stören, wenn wir danach nie wieder ein Album aufnehmen könnten. Denn es ist uns gelungen, eine Scheibe einzuspielen, die all das in sich vereint, was Black Stone Cherry momentan ausmacht.“

Benedikt Mekelburg

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