Black Sabbath live in Birmingham: Das Ende der Metal-Götter

black sabbath liveThe Last Supper: Die Genting Arena in Birmingham ist in freudigem Aufruhr. Von überall aus der Welt sind sie gekommen, die Jünger und Anhänger von Englands Institution Black Sabbath, auch bekannt als wichtigste Heavy Metal Band aller Zeiten. Gemeinsam mit Ozzy Osbourne, Tony Iommi, Geezer Butler, Drummer Tommy Clufetos (sowie Off-Stage-Keyboarder Adam „Son of Rick“ Wakeman) tragen sie das Original-Quartett zu Grabe, am 4. Februar 2017. 49 Jahre, 19 Studioalben und über 70 Millionen verkaufte Tonträger nach seiner Gründung.

Auch die Rival Sons sind an diesem denkwürdigen Abend, wie bei allen Shows der „The End“ betitelten Abschlussreise, als Vorgruppe dabei. Ein Job, den sie während ihres 40-minütigen Sets mit Bravour erledigen.

Wie bei jedem Konzert der seit einem Jahr andauernden Weltreise, konzentrieren sich die göttlichen Vier überwiegend auf Songs ihrer vier ersten Genre-bildenden Meisterwerke, und so sitzt Satan auch heute hier und lächelt „What is this, that stands before me, figure in black, which points at me…“ sind die ersten drohenden Worte, die Osbourne der Menge entgegenschleudert. Jede Zeile des 16 Songs starken Sets wird von den anwesenden knapp 16.000 Fans lautstark und textsicher mitgesungen.

Osbournes Stimme ist klar und kraftvoll, auch wenn die Buchstaben auf seiner digitalen Souffleuse inzwischen annähernd DIN A4 groß sind. Überhaupt ist der Sound vom feinsten, alle Instrumente fett, schwer, laut und druckvoll.

„No more war pigs of the power“ wird angesichts der angespannten Weltlage und des Einzugs eines Clowns ins Weiße Haus über Nacht brandaktuell.

Osbourne, berühmtester Sohn der Stadt, stellt zu Beginn des frenetisch gefeierten ›Snowblind‹ seine Band vor. Keyboarder Wakeman bleibt unsichtbar hinter der Bühne, Clufetos liefert einen exzellenten Job ab, könnte eventuell sogar etwas weniger auf seinen Kesseln rühren, und macht den abwesenden Original-Schlagwerker Bill Ward deshalb nicht ganz vergessen, auch wenn sein Solopart im Anschluss an ›Rat Salad‹ atemberaubend ist. Butler grinst wie ein Lausbub ob des tosenden Applauses, es ist aber Riff-Master und Gitarrengott Iommi, dessen Erwähnung die Dezibel-Nadel weit in den roten Bereich treibt – ein Gänsehaut-Moment, der während der kompletten 120-Minuten anhält.

„No more war pigs of the power“ wird angesichts der angespannten Weltlage und des Einzugs eines Clowns ins Weiße Haus über Nacht brandaktuell. „My name is Lucifer, please take my hand“ – alle Anwesenden leisten bei ›N.I.B.‹ begeistert Folge. Das instrumentale Medley aus ›Supernaut‹, ›Sabbath Bloody Sabbath‹ und ›Megalomania‹ sowie Clufetos‘ Drum-Solo verschaffen Osbourne, der wie seine Kollegen Iommi und Butler stramm auf die Siebzig zugeht, eine kurze Verschnaufpause, seine Bühnen-Verfassung ist jedoch ohnehin erstaunlich und jedenfalls besser als so manches Mal zuvor.

Das gewohnt bedrohlich-düstere ›Iron Man‹ und das aus der Spätphase der Siebziger stammende ›Dirty Women‹ läuten die Schlussoffensive ein, bevor ›Children Of The Grave‹ kollektives Ausrasten anordnet und überdimensionale Ballons in den MASTERS OF REALITY-Farben von der Hallendecke regnen.

Im Vorfeld wurde viel über eventuelle Special-Guests oder einen Kurzauftritt von Bill Ward spekuliert – nach der einzigen Zugabe Paranoid‹ will deshalb natürlich erst recht niemand die Band ziehen lassen. Aber es ist klar, „The End“ ist erreicht. Ein mehr als würdiger Abschluss.

Setlist:
1. ›Black Sabbath‹
2. ›Fairies Wear Boots
3. ›Under The Sun‹/›Every Day Comes And Goes‹
4. ›After Forever‹
5. ›Into The Void‹
6. ›Snowblind‹
7. ›War Pigs‹
8. ›Behind The Wall Of Sleep‹
9. ›N.I.B.‹
10. ›Hand Of Doom‹
11. ›Supernaut‹/›Sabbath Bloody Sabbath‹/›Megalomania‹-Medley
12. ›Rat Salad‹
13. ›Iron Man‹
14. ›Dirty Women‹
15. ›Children OF The Grave‹
16. ›Paranoid‹