Axel Rudi Pell – Bewährtes Rezept, neu abgeschmeckt

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Der 53-Jährige bleibt seinen Wurzeln auch auf Album Nr. 15 treu. Und darf in seiner Band auch noch einen illustren Neuzugang begrüßen.

Obwohl Gitarrist Axel Rudi Pell aus Bochum stammt (und seit Ewigkeiten in Bochum wohnt) ist Hannover in den letzten 25 Jahren für ihn zu einer Art zweiten Heimat geworden. In der niedersächsischen Landeshauptstadt hat sich nämlich Mitte der 80er Jahre seine Plattenfirma Steamhammer/SPV angesiedelt. Und die freut sich im Januar 2014 über das mittlerweile 15. Studioalbum ihres langjährigen und wohl treuesten aller Vertragspartner. „Für einen Künstler ist es enorm wichtig, das Vertrauen und die Rückendeckung seiner Plattenfirma zu haben“, erklärt Pell die seit 1989 ungewöhnlich lange andauernde Zusammenarbeit. „Andererseits können sich SPV ja auch auf mich verlassen, dass ich nicht plötzlich mit ’ner Punk-Scheibe oder irgendwelchen experimentellen Abenteuern um die Ecke komme.“

Wohl wahr: Mit beinahe stoischer Zuverlässigkeit frönt Axel Rudi Pell einem melodischen, wohltemperierten und gleichmäßig fließenden Hard Rock. Inspiriert wird er dabei vor allem von seinem großen Vorbild Ritchie Blackmore, Gitarrist der Mittelalter-Rock-Band Blackmore’s Night und einstiger Kreativchef von Deep Purple und Rainbow. Auch auf seinem neuesten Album INTO THE STORM findet man die allseits beliebte Mischung aus Rockriffs, Grooves und eingängigen Gesangslinien. Hinsichtlich der Grooves kommt Pell seinem Idol Blackmore übrigens seit kurzem einen gehörigen Schritt näher: Niemand Geringeres als Schlagzeuger Bobby Rondinelli hat die Nachfolge des ausgeschiedenen Amerikaners Mike Terrana angetreten. Rondinelli saß Anfang der 80er unter anderem auf den Rainbow-Alben DIFFICULT TO CURE (1981) und STRAIGHT BETWEEN THE EYES (1982) hinter Kessel und Becken und fühlt sich in der ARP-Band offenbar pudelwohl: „Bobby sagte, dass meine Musik genau seinem Geschmack entspricht. Er kannte mich bislang nur namentlich, aber nachdem ich ihm einige YouTube-Links geschickt hatte, damit er sich informieren kann, war er total begeistert und meinte, das sei genau die Musik, die er auch privat höre.“

Gleiches gilt auch für den deutschen Gitarristen, der seine privaten Vorlieben über kommerzielle Motivation stellt: „Wenn ich mit der Musik hätte reich werden wollen, dürfte ich solche Songs nicht machen“, weiß er genau um die begrenzten Absatzkapazitäten im Rockbereich, „aber wer weiß: Vielleicht hätte ich bereits längst die Lust an meiner Kreativität verloren, wenn ich nicht ausschließlich das schreiben würde, was künstlerisch aus mir heraus will. Man kann als Musiker nur dann dauerhaft überleben, wenn man ausschließlich seinem eigenen Geschmack folgt.“

Dieser Devise bleibt der 53-Jährige übrigens auch bei der traditionell bewährten Auswahl seiner Coversongs treu. Waren es früher Stücke von Ronnie James Dio, Rainbow und Deep Purple, so hat sich der Meister diesmal einen Song von Neil Young vorgenommen, Titel: ›Hey Hey My My‹. Wiederentdeckt hat er diesen Song in einer US-Fernsehserie, und da er immer auch eine Weiterverwertung seiner Coversongs auf Compilations im Hinterkopf hat, passt diese ruhige, balladeske Nummer perfekt zu Aktualität und Zukunftsplanung. „Ferdy (Doernberg) hat einen tollen Klavierpart dazu gespielt, und zu Johnnys (Gioeli) Stimme passen diese Art atmosphärische Rocknummern sowieso perfekt.“ Alles beim alten, und irgendwie doch alles neu, so könnte das Resümee der aktuellen Pell-Scheibe INTO THE STORM lauten, auf der bewährte Stärken des Gitarristen mit moderaten Neuerungen vermischt werden.

Simone Bösch