Avantasia – Aus dem stillen Kämmerlein

Avantasia2010aVor Jahren bereits ein Fall fürs Abstellgleis, setzt das Nebenprojekt des Edguy-Sängers Tobias Sammet wieder zum Überholen an. Erneut sind allerlei illustre Passagiere an Bord.

Beim Wacken Festival 2011, das Avantasia als einer der Headliner absolvierten, verkündeteTobias Sammet das Ende seines Nebenprojekts. Lange daran gehalten hat sich der kleine kreative Mann mit der großen Stimme allerdings nicht. Mit THE MYSTERY OF TIME liegt nun knapp zwei Jahre nach dem offiziellen Schlussstrich das sechste Album vor, das die ohnehin schon sehr gelungenen Vorgänger in Sachen Songs, Gästen und musikalischer Größe noch deutlich übertrumpft. Sammet: „Für mich war es 2011 sehr wichtig, mit Avantasia abzuschließen. Als ich in Wacken auf der Bühne stand, habe ich mich gefragt, ob das überhaupt noch zu toppen wäre. Wir standen als einer der Hauptacts auf der Bühne des größten Metal-Festivals der Welt! Wir hielten Platz zwei der deutschen Charts, was man nicht als selbstverständlich hinnehmen sollte, waren darüber hinaus weltweit in den Charts vertreten. Was kann danach noch kommen? Ich dachte, es wäre ein geiler Moment, um die Geschichte zu beenden. Also konzentrierte ich mich wieder auf Edguy, die neue Platte war im Kasten, die Promo ging los. Doch irgendwann fing ich abends wieder damit an, mich in mein stilles Kämmerlein zurück zu ziehen, um als Ausgleich an Songideen zu basteln. Es klingt vielleicht paradox, als Ausgleich zu einem musikalischen Alltag abends Musik zu machen, aber genau so war das. Irgendwann kam die Eingebung, dass das, was ich da gerade mache, nichts anderes ist als Avantasia. In dem Moment war klar, dass es keine Grenzen mehr gibt und ich mein kleines Paralleluniversum aufbauen kann.“

Somit war der Startschuss zu einem neuen Album im Lauf, es musste nur noch abgedrückt werden. Das war das eigentlich Anstrengende. Bekanntermaßen waren die bisherigen Avantasia-Alben bestens bestückt mit hochkarätigen Gastmusikern, was es erneut zu toppen galt. So geben sich auf THE MYSTERY OF TIME u.a. Bruce Kulick (ex-Kiss), Eric Martin (Mr.Big), Biff Byford (Saxon), Ronnie Atkins (Pretty Maids), Michael Kiske (Gamma Ray, Unisonic), Arhen Lucassen (ex-Vengeance, Star One, Ayreon) und Joe Lynn Turner (u.a. Rainbow, Malmsteen, Brazen Abbot etc.) die Klinke in die Hand.

Tobias Sammet: „Es war eine wahre Freude, mit solchen Musikern zusammen zu arbeiten. Hervorzuheben ist sicher Ronnie Atkins, den ich schon für ein früheres Album haben wollte, was aber aus Termingründen leider nie geklappt hatte. Joe Lynn Turner war zeitlich gesehen der problematischste Musiker. Als er endlich ein Zeitfenster gefunden hatte, kam Hurrikan Sandy dazwischen und machte die ganze Sache noch komplizierter als sie ohnehin schon war, da an der Ostküste ja tagelang der Strom ausfiel. Richtig klasse war Schlagzeuger Russell Gilbrook von Uriah Heep. Ein sehr dynamischer, druckvoller Rockdrummer, der auch ganz ausgezeichnet Heavy Metal spielen kann.“

THE MYSTERY OF TIME klingt in seiner Gesamtheit erdiger, teils rockiger, weniger steril und überproduziert, worauf Tobias Sammet schon zu Beginn der Aufnahmen höchsten Wert legte: „Wichtig war mir, einen organischen Sound zu schaffen, was dazu führte, dass wir zum ersten Mal mit einem echten Orchester, in diesem Fall dem Filmorchester Babelsberg, zusammenarbeiteten. Wir haben dem Orchester viel Raum gelassen, denn ich stehe total darauf, wenn man echte Instrumente heraushört. Die Gitarren genossen natürlich dennoch oberste Priorität, denn unterm Strich ist die Gitarre immer noch das Hauptinstrument in unserer Musik.“