Alter Bridge: Frankfurt, Batschkapp

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Leidenschaftliche Traditionspflege.

Was tun, wenn der ohnehin schon exzentrische Frontmann mehr durch religiöses Gehabe als innovative Kreativität glänzt? Gitarrist Mark Tremonti, Schlagzeuger Scott Phillips und Bassist Brian Marshall, Kerntrio der US-Formation Creed, entschieden sich für die schmerzvolle Variante: Sie trennten sich von Scott Stapp und hoben wenige Monate später mit Myles Kennedy Alter Bridge aus der Taufe. Eine ausgesprochen gute Wahl – auch wenn sich Creed vor rund einem Jahr reformierten und seither parallel rocken.

In der seit Wochen komplett ausverkauften Frankfurter Batschkapp präsentieren sich Alter Bridge beim dritten Gastspiel seit 2005 abermals als bodenständige Erben einer von gleich mehreren Musiker-Generationen gepflegten Tradition zwischen Hard Rock, Heavy Metal und Post-Grunge. Solides Handwerk gepaart mit jeder Menge Leidenschaft kennzeichnen den rund zweistündigen Auftritt des Quartetts. An die Millionenverkäufe von Creed reichen die drei Alben One Day Remains, Blackbird und AB III zwar nicht heran – doch Alter Bridge haben die Zeichen der Zeit erkannt: In einer Ära, die weniger durch innovative Entwicklungen glänzt als durch gnadenloses Recycling auffällt, orientiert sich die Band vor allem an Errungenschaften der glorreichen Vergangenheit. Mit Wonne zitiert das Quartett Le­­genden wie Led Zeppelin, Deep Purple und Black Sabbath, schätzt aber auch den Einfluss jüngerer Prota­gonisten wie Soundgarden oder Metallica. Und selbst in der mitunter für zarte Ohren recht gnadenlosen Phon-Orgie findet auch die eine oder andere melodiöse Ballade ihren Platz. Trotz intensiver Huldigung der Classic Rock-Ära wirken die häufig über der Fünf-Minuten-Marke liegenden Song-Epen keineswegs angestaubt oder gar überaltert. Das verdanken sie der unverkennbaren eigenen Handschrift in längst zu Hymnen aufgestiegenen Tracks wie ›Open Your Eyes‹, ›Rise Today‹, ›Ties That Bind‹ oder ›Watch Over You‹. Myles Kennedys Drei-Oktaven-Tenor klingt ebenso signifikant wie der seiner Vorbilder Robert Plant, Axl Rose und Chris Cornell, sein Spiel auf der Gitarre ist mitunter gar brillant. Ähnlich ist es mit Sologitarrist Mark Tremonti: Dessen erstaunliche Fingerfertigkeiten lehnen sich zwar hörbar an britischen Ikonen wie Jimmy Page oder Richie Blackmore an, klingen aber ebensowenig nach einer bloßen Kopie.