Allah-Las: Kalifornien für Fortgeschrittene.

Vom Plattenladen auf die Bühnen dieser Welt.

Dicke Luft im Kleinbus. „Die zwei langsamen Bandmitglieder gemeinsam in ein Zimmer zu stecken, war keine gute Idee,“ murrt Miles Michaud, Sänger der Allah-Las. „Zur Strafe gibt’s auf der Rückfahrt Musik, die Pedrum hasst!“ feixt Spencer Dunham, Bass. Wenige Minuten später sind die Nachzügler da, es geht mit Gitarrist Pedrum Siadation und Drummer Matt Correia an Bord vom Münchner Hotel zurück zum Atomic Café.

„Was willst du jetzt auf gar keinen Fall hören, Pedrum?“ fragt Spencer also, der den Bus-Ipod bedient. Der aber riecht den Braten und verlautbart grinsend: „Oh, bloß kein ›Under My Thumb‹!“ Was tue ich im Van der vier Kalifornier? Es lief alles etwas chaotisch heute. Das ursprünglich im Club geplante Interview wurde kurzfristig ins Hotel verlegt. Dort angekommen zeigt sich: Will die Band noch einen Mini-Soundcheck nutzen, bevor sich die Türen fürs ausverkaufte Nick Waterhouse-Konzert öffnen, den die Allah-Las heute supporten, muss das Gespräch noch mal hinten angestellt werden. Also zurück zum Club.

Kein Problem. Sogar lustig. Schon im Bus kriegt man einen guten Eindruck, was dieses Quartett ausmacht. Über die Sessel verteilen sich vier in-jokes austauschende, sympathische Musiknerds. Auch der Soundtrack auf den kurzen Trips ist bezeichnend: Es laufen die ghanaische 70s-Highlife-Band Vis-vis, das Nordpazifik-Duo Donnie & Joe Emerson und The Leopards, eine 80s-Band aus Kansas, die das Erbe der Kinks auf die Spitze treibt. Erstens ist dies alles absoluter Kennerkram – kein Wunder, alle vier Allah-Las arbeiteten in LAs Platten-Mekka Amoeba Records. Zweitens ist das alles Musik, die man in den 60s einordnen würde, die aber nicht in dem Jahrzehnt entstand.Und damit sind wir bei den Allah-Las, denn auch ihr hochgelobtes, gleichnamiges Debüt wird gerne in die 60s-Schublade gesteckt. Gegen ihren Willen. „Wir nutzen Aufnahmetechnik aus den 60s, okay. Aber unsere Songs hätten in jeder Ära geschrieben werden können,“ findet Matt, als backstage endlich das Aufnahmegerät läuft. Pedrum führt aus: „Wir wollen nicht nach einer spezifischen Ära klingen, sondern zeitlos.“. Das frühe Video ›Tell Me‹, in dem die Band sich in 60s-Anzügen präsentiert, hätte Miles im Nachhinein daher lieber nie gedreht. „Eine Parodie. Nur, das peilt niemand. Alle denken jetzt, wir legen Wert auf das Retro-Ding.“