Alice Cooper

Alice Cooper 3Als Alice Cooper die beiden letzten Male durch Deutschland tourte, tat die Horror-Rock-Legende das in weiser Voraussicht stets im exklusiven Band-Paket: Erst paarte sich der mit reichlich Fantasie und Geschäftssinn begabte ame-rikanische Entertainer mit den britischen Hardrock-Veteranen Deep Purple, dann mit deren Ableger Whitesnake. Für die aktuelle Show „Theatre Of Death“ legte sich der mittlerweile 62 Jahre alte Horror-Rock-Pionier ebenfalls Verstärkung zu: Eisbrecher, Münchener Rocker um den Frontmann Alexander Wesselsky (auch bekannt als der „Checker“), sowie die nach der Trennung 2005 von der finnischen Formation Nightwish solo tätige Sopranistin Tarja Turnen.

Der Support-Zinnober scheint offensichtlich notwendig zu sein. Denn wie diverse Kollegen im etwa gleichen fortgeschrittenen Zielgruppenalter verzeichnet der Meister „grauenhafter“ Inszenierungen einen chronischen Rückgang bei den Zuschauerzahlen – da hilft es auch nicht, dass sich der noch immer topagile Veteran bei seinen aktuellen Fahrten in der gruseligen Geisterbahn statt wie gewohnt einmal gleich viermal möglichst spektakulär killen lässt. Ein ähnlich beängstigendes Tem-po legt Mr. Cooper auch in seiner gegenwärtigen Veröffentlichungspolitik vor: Sage und schreibe vier Projekte plant er in den kommenden Jahren, nachdem ja gerade erst die DVD THEATRE OF DEATH erschienen ist.

So gut wie abgeschlossen zu sein scheint das lange angekündigte Album THE NIGHT SHIFT, dessen Veröffentlichung jetzt für Frühjahr/Sommer 2011 ins Auge genommen wird. Was es mit diesem Konzeptwerk auf sich hat, verriet der Fürst der Finsternis auch schon in groben Zügen: Er begibt sich in die Rolle eines undurchsichtigen Radio-Moderators und -DJs, der nur im Dunkel der Nacht in Erscheinung tritt. In bislang zehn Songs liefert er den passenden Soundtrack der albtraumhaften Nacht-Radio-Show – jeder Song symbolisiert eine andere fiktionale Band. Ein Metier, in dem sich Alice Cooper bekanntlich bestens auskennt: Alben-Klassiker wie LOVE IT TO DEATH, KILLER, SCHOOL’S OUT oder BILLION DOLLAR BABIES klangen ja auch schon wie ein Mix aus Broadway Musical, Glam Rock, Top 5-Pop und James Bond-Soundtrack.

Ebenfalls schon in Arbeit befindet sich – nach immerhin 35 Jahren Pause – die Fortsetzung von Coopers erstem Solowerk WELCOME TO MY NIGHTMARE. An den Studioreglern sitzt abermals der kanadische Produzent Bob Ezrin, der 1970 aus der konfusen Underground-Formation mit Wohnsitz Los Angeles, die bei Frank Zappas Label Straight unter Vertrag stand, binnen weniger Jahre ein Multimillionen-Unternehmen zauberte. Schließlich behauptet Alice Cooper ja heute noch: „Bob Ezrin nahm für die Band in etwa die gleiche Rolle ein wie ein George Martin bei den Beatles.“ Möglicherweise wird es auch eine Fortsetzung von ALONG CAME A SPIDER geben, Coopers viel gepriesenem Album von 2008 über einen Halunken und Serienkiller.

Eine echte Überraschung für Cooper-Enthusiasten der frühen Stunde hält der privat auf Glaube und Golf fixierte Horror-Rock-Mime auch parat: Nach 36 Jahren kommt es definitiv zur Reunion der Ur-Formation. Seit einigen Monaten schon arbeitet Alice mit Gitarrist Michael Bruce, Bassist Dennis Dunaway und Schlagzeuger Neal Smith an einem gemeinsamen Projekt – wohl auch im Gedenken an Sologitarrist Glen Buxton, der Klassiker wie ›I’m Eighteen‹, ›School’s Out‹, ›Elected‹ und ›Generation Landslide‹ co-komponierte und 1997 im Alter von 49 Jahren an einer Lungenentzündung verstorben war. Mehrere Songs sollen schon fertig eingespielt sein. An WELCOME TO MY NIGHTMARE II soll sich das Ur-Trio ebenfalls beteiligen.

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