AC/DC: Malcolm Young blickt zurück (Interview von 1992)

DIRTY DEEDS DONE DIRT CHEAP
„Wir hatten nicht viel Zeit für dieses Album. Nach HIGH VOLTAGE schienen wir permanent auf Tournee zu sein. Dann unterschrieben wir den Plattenvertrag, um nach England zu kommen, und gerade als wir mit der Tour fertig waren, sagten sie uns, wir müssten die nächste Platte machen. Also gingen wir immer sofort nach dem Konzert ins Studio und ließen uns ein paar neue Sachen einfallen. Angus kam dann mit dem Liedtitel ›Dirty Deeds Done Dirt Cheap‹ an. Das basierte auf einer Figur in einer Zeichentrickserie, deren Erkennungszeichen dieser Satz war. [Dishonest John aus ‚Beany And Cecil‘] Dann fügte Bon noch die Zeile ‚I’m dirty, mean, mighty unclean‘ aus einer Werbung für ein Insektenspray hinzu, die damals im australischen Fernsehen lief. Ja, wir waren immer sehr aktualitätsbezogen und beobachteten immer, was in der Welt gerade so geschah. (lacht) ›Big Balls‹ war das andere Stück von der Platte, das im Gedächtnis hängen blieb. Das war eigentlich nur ein Scherz. Wir mussten das Album irgendwie vollkriegen, ir­­gendjemand fing mit einem Rumba oder einem Tango an und Bon kam dann plötzlich mit diesem urkomischen Text daher. Er liebte solche Anzüglichkeiten und war absolut besessen von seinen Eiern.“

acdc-1980

LET THERE BE ROCK
„Das war wirklich ein Hammer! Ich denke, wir nahmen die Sache damals schon etwas ernster und wollten einen roheren Sound. Und wir wollten so kommerzielle Refrains wie auf ›T.N.T.‹ vermeiden. Wir wussten genau, was wir wollten, nämlich drei wirklich starke Live-Tracks, um unsere Shows besser zu machen. ›Whole Lotta Rosie‹ war auf diesem Album, oder? Wir wussten, dass das ein Volltreffer wird, und wir fanden, ›Bad Boy Boogie‹ und ›Let There Be Rock‹ würden auf der Bühne auch bestehen. Diese drei Stücke überschatteten alles andere auf dieser Platte und standen jahrelang auf unserer Setlist.“

POWERAGE
„Im Prinzip war das wieder dasselbe, nur dass unser Bassist Mark Evans aus- und Cliff [Williams] eingestiegen war. Wir hatten kein Problem damit, uns nicht von LET THERE BE ROCK wegzubewegen, weil das Zeug live so gut funktionierte. ›Sin City‹ war die große Nummer auf POWER­AGE, und die spielen wir bis heute. Allerdings drängte uns die Plattenfirma, Hitsingles abzuliefern, und wir stellten uns quer und machten einfach unser Ding. Dafür gaben wir ihnen ›Rock’n’Roll Damnation‹, und das kam in die Charts. Heutzutage erwartet man von manchen Bands, mindestens acht Singles auf ein Album zu packen. Grauenhaft, nicht wahr?“

IF YOU WANT BLOOD YOU’VE GOT IT
„Das war einfach exakt der Punkt, an dem wir uns damals in unserer Karriere befanden. Diese Platte fasste die Band perfekt zusammen und wurde bei einem unserer besten Gigs auf der Tour im Glasgow Apollo mitgeschnitten. Ehrlich gesagt habe ich sie mir seit Jahren nicht angehört, aber ich habe Clips von uns im Fernsehen gesehen, wo wir einige dieser Songs spielen, und das erinnerte mich daran, wie gut wir damals klangen. ›Whole Lotta Rosie‹ und ›Let There Be Rock‹ funktionierten damals live sehr gut, und natürlich hatten wir die neue Version von ›The Jack‹, die so richtig schmutzig geworden war. Das war Bons Ding, seine große Stärke, wenn man so will.“

HIGHWAY TO HELL
„Das war definitiv ein Wendepunkt für AC/DC. Atlantic Records in Amerika waren unzufrieden, weil sie uns nichts in Radio bekamen, und sie wollten unbedingt, dass wir etwas zugänglicher werden. Wir hatten ein paar Alben lang unseren Willen bekommen, also dachten wir, wir geben ihnen, was sie wollen, damit alle glücklich sind. Mutt Lange war damals noch unbekannt – ich glaube, er hatte gerade die Boomtown Rats produziert, bevor er zu uns kam. Er schien sich mit Musik auszukennen und achtete auf den kommerziellen Aspekt, während wir uns um die Riffs kümmerten. Irgendwie schafften wir es, uns auf halbem Weg zu treffen, ohne zu klingen, als wären wir einen Kompromiss eingegangen. Tatsächlich war es unmöglich, uns je bei ir­­gendwas zum Einlenken zu bewegen. Es war für jeden Produzenten ziemlich hart, mit uns zu arbeiten. ›Touch Too Much‹ war ein Hit von dieser Platte, aber der eine Song, der meilenweit über allen anderen steht, ist das Titelstück. Wäre es nach gewissen Leuten gegangen, hätte das Album nicht so geheißen, denn die konservativen Christen waren damals sehr stark in Amerika und be­­schwerten sich, als es erschien. Aber ob­­wohl wir unter Druck standen, ließen wir uns nicht davon abbringen. Nach HIGHWAY TO HELL begriffen einige der Kritiker endlich, dass Bon Talent hatte. Als er dann starb, sagten plötzlich alle, was für ein toller Performer er gewesen war. Und das waren dieselben Leute, die zwei Jahre zuvor noch gesagt hatten, wir wären besser dran mit einem Sänger, der nicht ständig schreit. Sie sagten, wir sollten Bon rausschmeißen und jemanden wie David Coverdale holen! Was mich am meisten verletzte, war dass Bon die Anerkennung, die ihm gebührte, nie erhielt, als er noch am Leben war.“

BACK IN BLACK
„Etwa drei, vier Wochen vor Bons Tod [im Februar 1980] hatten Angus und ich begonnen, Ideen zu sammeln, und Bon hatte ein bisschen Schlagzeug gespielt. Ein paar dieser Ideen fanden sich dann auf BACK IN BLACK wieder. Dann starb Bon und wir wussten nicht, ob wir weitermachen wollten oder nicht. Die Plattenfirma drängte uns zu einer Entscheidung, Brian [Johnson] war uns empfohlen worden und es fühlte sich richtig an. Als er dann aber einstieg, waren all die Musikzeitschriften voll von dieser Bon-vs.-Brian-Debatte, was für Brian eine ziemlich harte Zeit war. Ich denke, er ließ es nicht an sich heran, er kommt schließlich aus der traditionellen Arbeiterklasse. Sein Vater war ein Minenarbeiter und er hat ein dickes Fell. Letztendlich hatte Brian die Eier, sich da oben hinzustellen, und er war der Einzige, den wir finden konnten, der laut genug singen konnte, um über dem ganzen Lärm gehört zu werden, den wir anderen da machten. Er würde immer unser Mann sein, ob es uns passte oder nicht. Rückblickend steckte ganz schön viel Schweiß in BACK IN BLACK. ›Hell’s Bells‹ war einer der Schlüsselsongs. Es erinnerte uns an Bon und ich denke, viele unserer älteren Fans sehen es als eine Hommage an ihn. Das, das Titelstück und ›Shoot To Thrill‹ spielen wir immer noch live, und ich denke, sie stehen neben ein paar der früheren Songs für die klassischen AC/DC. Was auch immer es war, wir machten es richtig, denn er war damals das erfolgreichste Album, das wir je gemacht hatten.“

FOR THOSE ABOUT TO ROCK (WE SALUTE YOU)
„Oh Mann! Wir haben ewig für diese Platte gebraucht, und das hört man. Sie besteht aus lauter Einzelteilen und fließt nicht richtig, wie ein AC/DC-Album das sollte. Da gibt es ein paar gute Riffs, aber nur einen Song, den wir mögen, und das ist das Titelstück. Als wir es schrieben, wollten wir noch einen großen Track für die Shows, wie ›Let There Be Rock‹. ›For Those About To Rock‹ ist gut gealtert und wurde zu unsererer Hauptzugabe. Doch als wir die Platte fertiggestellt hatten, hatte es so lange gedauert, dass niemand mehr, weder die Band noch der Produzent, sagen konnte, ob sie richtig oder falsch klang. Jeder hatte die Nase voll von dem kompletten Ding.“

FLICK OF THE SWITCH
„Das haben wir sehr schnell gemacht, wohl als Reaktion auf FOR THOSE ABOUT TO ROCK. Wir dachten nur, ‚Scheiß drauf! Wir haben die Schnauze voll von diesem Mist!‘. Keiner von uns hatte Lust, wieder ein Jahr damit zu verbringen, eine Platte zu machen, also beschlossen wir, sie selbst zu produzieren und sicherzustellen, dass sie so roh wie möglich wird. Wir hatten sogar diese wirklich schlichte Schwarzweißzeichnung auf dem Cover, ganz einfach mit Bleistift. Alles an FLICK OF THE SWITCH war sehr simpel. Das Titelstück ist der Song, an den ich mich noch am ehesten erinnere. Das war ein toller Live-Track.“