AC/DC: Die Ballade von Bon Scott

ROC194.bon.image2_pressVor seinem Einstieg bei AC/DC war Bon Scott bei den Country-Rockern Mount Lofty ­Rangers – bis zu einem beinahe tödlichen Unfall. Die zwei Stücke, die sie aufnahmen, galten lange Zeit als verschollen. Bis jetzt.

Bon Scott verpasste selten einen Auftritt, doch am 3. Mai 1974 wusste sogar er, dass er zu besoffen war, um es zu bringen. Nach einem trunkenen Streit mit seiner damaligen Frau Irene sprang der Sänger auf sein Triumph-Motorrad und raste durch halb Adelaide zum Proberaum seiner Bandkollegen bei den Country-Rockern Mount Lofty Rangers. Er wollte ihnen mitteilen, dass er an jenem Abend nicht mit ihnen im Old Lion Hotel auftreten könne. Fahren unter Alkoholeinfluss war das eine, aber Scott wäre nie auf die Bühne gegangen, wenn er nicht seinen Job machen konnte.

Während dieses Kurzbesuchs brach ein Streit zwischen Scott und Ranger-Bassist Bruce Howe aus. Die beiden waren schon zuvor aneinandergeraten – als Mitglieder bei den trinkfreudigen Hippie-Rockern Fraternity hatten sie bei einem der angespannten Jams dieser Band auch schon die Fäuste fliegen lassen –, aber heute Abend braucht es nicht viel, um Scotts Lunte zu zünden. Niemand kann sich erinnern, was ihn ausrasten ließ, aber nach dem daraus resultierenden Zoff stürmte er hinaus und rannte dabei dreimal betrunken gegen die Tür.

„Wir versuchten, ihn aufzuhalten“, erinnert sich Rangers-Keyboarder Peter Head. „Ich weiß noch, wie ich sagte, ‚Bon, geh jetzt nicht, du bist zu besoffen, du kannst nicht fahren‘, aber weil er eben so dicht war, hörte er nicht auf uns. Das“, seufzt er, „war nicht ungewöhnlich.“ Eine Stunde später bekam Head einen Anruf. Nachdem Bon mit seiner Triumph davongebraust war, hatte er einen Frontalcrash mit einem Auto. Er überlebte, aber nur um Haares Breite – der Sänger verbrachte verbeult, zertrümmert und dem Tode nah drei Tage im Koma. Er sollte sehr, sehr lange brauchen, um sich davon zu erholen.

„Wir konnten ihn ein paar Tage nicht besuchen, weil er auf der Intensivstation lag und sie nicht wussten, ob er überleben würde“, so Head. „Als wir dann endlich zu ihm konnten, sah er furchtbar aus – er hatte all seine Zähne verloren, er war ein totales Wrack, übersäht mit blauen Flecken und Kratzern.“

Der Unfall bedeutete das Ende von Scotts Laufbahn bei den Rangers, die ganze vier Monate und zwölf Auftritte überdauert hatte. Im Oktober 1974 zog er nach einem monatelangen Heilungsprozess von Adelaide nach Sydney, wo seine Karriere mit AC/DC begann. Interessanterweise hatte er aber zwei Aufnahmen zurückgelassen, die erst jetzt, 40 Jahre später, das Licht der Öffentlichkeit erblicken.

Peter Head bezeichnet sich selbst als den „musikalischen Direktor“ der Mount Lofty Rangers. Die waren mehr ein Kollektiv gleichgesinnter Musiker als eine richtige Band, denn zwischen 1974 und 1979 gab es an die 240 Mitglieder, darunter der zukünftige Cold-Chisel-Frontmann und Little-River-Band-Sänger Glenn Shorrock. Berühmter als Bon Scott war jedoch keiner.

Die Rangers kamen zusammen, nachdem Heads vorige Band, die Prog-Bluesrocker HeadBand, sich Anfang 1974 aufgelöst hatten. Deren Management war dasselbe wie das von Fraternity – „Wir hatten denselben Tourbus, wir spielten dieselben Gigs zusammen“, wie sich der 67-jährige Head erinnert –, und er und Scott wurden gute Freunde. Die Rangers gründete er, um Langeweile und den Hungertod abzuwenden. Bon war einer von vielen Sängern bei ihnen, von denen die meisten auch Instrumente spielten. „Wir saßen alle herum und waren pleite. Ich dachte, der einfachste Weg, sich durchzuschlagen, wäre eine Country-Rockband“, so Head, der seit 30 Jahren in Sydney lebt. „Wir konnten ein paar Dutzend Drei-Akkord-Country-Songs spielen, ein bisschen Spaß haben und alles schnell auf die Beine stellen.“